Apollo und Hyazinth

von 
Wolfgang Amadeus Mozart

 

Ein Event im Bode Museum

 

   

Vorstellungen wieder vom 14.-20. Mai

tocc-concept@web.de

und

www.apolloundhyacinth.de

Choreographie und Tanz: Ismael Ivo
Idee und künstlerische Leitung: Christoph Hagel
Kostüme: Barbara Naujock und Sarah Rolke
Bühnenkonzept: Marcel Kaskeline
Licht: Jens Krüger

Orchester:Berliner Symphoniker unter der Leitung von Christoph Hagel

Gesang: Barbara Ehwald, Uta Bucheister, Darlee Patterson, Natalie Siebert, Deniz Yilmaz, Thomas Volle, Ingo Witzke, Gero Bublitz, Andreas Taubert, Kaspar Kröner

 

Tänzer: Bettina Bölkow, Yui Kawaguchi, Christian Schwaan, Jeroen Mosselmann, Oren Laziovski, Maik Riebort

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"Apollo und Hyazinth" ist ein wundersam choreographiertes Opern-Tanztheater mit musikalischen Transformationen im neobarocken Ambiente des Bode Museums, und es ist eine Homage an Mozart und die Antike.

 Im Jahre 1767 erhielt W. A. Mozart den Auftrag, zur Jahresabschlussfeier des Salzburger Universitätsgymnasiums eine Oper zu schreiben. Das damals elfjährige Wunderkind wählte den antiken Stoff von Apollo und Hyacinth.
Ovid und Lukian beschreiben die Freundschaft Apolls zu dem schönen Knaben Hyacinth. Der eifersüchtige Windgott Zephyr manipuliert mit seinen Winden die Wurfbahn eines von Apoll geschleuderten Diskus`, so dass Hyacinth getötet wird. Apollo fordert Zephyr zum Kampf und tötet ihn gleichfalls. Der tote Knabe Hyacinth verwandelt sich in eine Blume.
Mozarts Librettist Rufus Widl passte den Stoff den Salzburger Aufführungsnotwendigkeiten an und erfand eine Schwester Hyazinths, Melia, hinzu  und machte Hyazinth zu einem Diener des Königshauses
.

Apollo kommt in König Oebalus' Reich und verliebt sich in dessen Tochter Melia, die, wie ihr jüngerer Bruder Hyazinthus, von jeher dem Gott besonders zugetan ist. König Oebalus sieht das Werben des Gottes um Melia gern, weil er von einem göttlichen Schwiegersohn begeistert ist. Der Höfling Zephyrus, der selbst nach Melia und dem Thron trachtet, beobachtet die Vorgänge mit Missgunst. Um seine Ziele zu erreichen, verletzt er beim Diskuswerfen den jungen Hyazinthus tödlich und versucht, den Mord Apollo anzulasten. Der erzürnte König verweist den Gott des Landes; die verzweifelte Melia stösst ihn von sich. Apollo, der Zephyrus' Mordtat miterlebt hat, lässt diesen in einen Sturmwind verwandeln und davontragen. Der sterbende Hyazinthus berichtet dem Vater, dass nicht Apollo, sondern Zephyrus ihn getötet hat. Apollo verzeiht dem Reuigen, verwandelt Hyazinthus in die Blume Hyazinthe und erhält Melia  zur Frau.

Zeitweilig sind den Tänzern beeindruckende Figuren gelungen, und man glaubte beinahe, die vorher betrachteten Skulpturen aus den mit Kunstschätzen angemessen dekorierten Räumen des Museums, jetzt in lebendiger körperlicher Präsenz wieder zu erkennen. Aber das blieben Ausnahmen; im Großen und Ganzen nahm die frühe Komposition (1767) des 11jährigen Wolfgang Amadeus, die bereits die Genialität späterer Werke durchblitzen läßt, die Führung in diesem in Musik und Bewegung umgesetzten Götterdrama. Zumal der Aufführung ausgezeichnete Stimmen zur Verfügung stehen, die dem gefährlichen Überschall in den mit hohen Kuppeln gekrönten Monumentalräumen eine ausgewogene Balance entgegenzusetzen wussten. Ganz in Schwarz gekleidet die Sänger, die als Apoll, König Oebalus, dessen Sohn Hyazinth und seiner Tochter Melia sowie Zephyr, dem eifersüchtigen Diener der Familie, auftreten: weiß gewandetet ihr Pendant der Tänzer, die mit ihnen gemeinsam oder nacheinander auf dem langen grünen Rasen -Laufsteg auftraten und das antike Drama der Liebe zwischen dem Gott Apoll und dem irdischen Königssohn Hyazinth in tänzerische Abläufe verwandeln. Dem Ausdruck der Bewegung steht die körperliche Statik der Sänger entgegen, die jedoch durch eine musikalisch innige Übertragung des Geschehens (Leitung Christoph Hagel) in diesem Götter-Menschen-Melodram keinen Zweifel an der alles beherrschenden Kraft der Musik aufkommen ließen.

Man mag die Choreographie des athletischen Ismael Ivo und seiner Tänzer ungewöhnlich finden, vielleicht auch anregend, denn sie spielt vor allem ihr eigenes Ausdrucksspiel mit eigenwilligen körperlichen  Darstellungsvariationen, in denen sie Liebe, Werben, Vereinigung, Tod, Verzweiflung und die Wiedergeburt des Lebens mit kraftvollen Bewegungsabläufen  aufzeichnet. Aber oft wusste man nicht, wem man seine  Aufmerksamkeit schenken sollte: Ohr und Auge konnten nicht synchron folgen, so dass ein Nacheinander der Interpretationen von Apolls Liebeswerben um den Knaben Hyazinth, die Verzücktheit von Melia angesichts ihrer Vermählung mit Apoll, das Glück des Vaters über die künftige göttliche Verbindung seiner Tochter und die Eifersucht Zephyrs, der das verehrte Mädchen nun an den Gott verlieren würde, der den verschiedenen Kunstgattungen gerechten Wahrnehmung entsprach.

Ob die Metamorphose des so früh dahingeschiedenen Jünglings zur Frühlingsblume szenisch so geglückt ist? Symbolträchtig ist sie schon:  Eingehüllt in das lange weiße Tüll-Leichentuch, unter winterlichem Schnee begraben, windet sich Hyazinth in jedem Frühling aus dem tiefen Erdschlaf, erwacht und erweckt als wundersam duftende und leuchtende Frühjahrsblume alle Sinne zu neuem Leben. Man kann mit dieser Darstellung zufrieden sein, gänzlich gelungen ist sie nicht. Auch, dass die letzten  Passagen der possierlichen Barockoper gestrichen wurden, bleibt verwunderlich; denn die Aufführung leidet keineswegs unter Länge oder Langatmigkeit, und man hätte die letzten Rezitative, in denen der Gott Melia nun doch zur Braut nimmt, gerne noch vernommen - zumal dies so harmonisch eingespielte Ensemble zu den musikalischen Events in der Berliner Kultursaison gehört. A.C.