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Briefe von |
Ein Malerleben für die Unsterblichkeit der Kunst
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im Saalbau Neukölln Bariton: Tilman Birschel Musikalische
Leitung: Brynmor Jones Kostüme: Silke Schneider Licht: Lutz Deppe Orchester: Robert Mudrinic (Klarinette); Renate Loock (Violine I); Bettina Mros (Violine II); Eva Oppl (Viola); Andrea Oomens (Violoncell); Oliver Potratz/Lars Burger (Kontrabass); Dorota Schmitt-Dobosz (Klavier); Friedemann Werzlau (Schlagwerk).
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Der russisch-jüdische Komponist Gregori Frid, dessen Lebenslauf, der an äußeren Lebensstationen weitaus dramatischer als der van Goghs, hat eine hingebungsvolle Musik geschrieben. 1915 in St. Petersburg als Sohn eines Musikjournalisten und einer Pianistin geboren, ist seine Kindheit von Bürgerkrieg, Flucht und Verbannung nach Sibirien gezeichnet. Die Juden-Pogrome unter Stalins Schreckenherrschaft sind grauenvoll. Frid überlebt und studiert 1932 am Moskauer Konservatorium zeitgenössische Musik. Er reist mit einem Kommilitonen in die Arktis und ist dort fasziniert von den Volksliedern der Nenzen. Er lehrt und forscht, bis 1939 der Zweite Weltkrieg ausbricht, den er als Sanitäter übersteht. Allerdings nicht unversehrt: Er leidet fortan an einer schweren Kriegsneurose. Er arbeitet hart und schafft es, wieder am Konservatorium zu unterrichten mit dem Schwerpunkt "zeitgenössische Musik". Seit 1965 organisiert und leitet er den Moskauer Jugend-Musikclub, der dem sowjetischen Künstlerverband angegliedert ist. Er macht sich einen Namen als Musikschriftsteller und weis geschickt, die Rolle der zeitgenössischen Musik auszubauen. Er selbst komponiert zwei Mono-Opern, neben Van Gogh, dem er sich als Maler und psychisch Leidender verbunden fühlt, das bekanntere "Tagebuch der Anne Frank". Zur
Inszenierung Aber auch die Bühne verlangt unsere Aufmerksamkeit, und da hat Holger Müller-Brandes zuviel des Guten getan. Auf dem durchsichtigen vorderen Gazevorhang liefert am unteren Rand ein Band in roter Leuchtschrift kontinuierlich weitere Brieftexte van Goghs, während eine Computerschrift darüber unaufhörlich nachrückend in großen Buchstaben den gesellschaftlichen Auftrag der Kunst und des Künstlers in Übereinstimmung mit dem radikal-realen Sozialismus suggeriert. Hinter dem Schleier, wie in einer anderen Welt, formieren sich fünf Darsteller zu stummen, statischen Bildern, die nacheinander das Erzählte in Kapiteln "Im Atelier", "Der Künstler", "Begegnung", "Kartoffelesser", "Gleichnis", "Nachdenken", "Antwerpen", "Gespräch mit Christine", "Regen", "Trauermusik" ,"Nacht", "Bauernfriedhof" andeuten. Die dreimalige Konzentration auf Schriftbilder, Choreographie, Gesang und Orchester verwirrt aber eher, als dass die Fülle von Informationen zu einer mehrdimensionalen Assoziation führt. So bleibt, hätte man nicht das informative Programmheft zum Nachlesen, nur einiges an Bildvergleichen in Erinnerung: Etwa, dass, so denkt van Gogh in seinem eingeigelten Ich-Dasein, jedem Maler ein großer Dichter entspricht. Auch ein Komponist, dessen Ziele denen des Malers entsprechen, möchte man hinzufügen. Und tief trifft
uns der bittere Vorwurf des elendig kranken und verarmten
Genies, wenn er auf die kostspielig erbauten Museen verweist, die dem
Betrachtenden die Möglichkeit geben, die Werke der Künstler zu
schauen, während diese selbst am verhungern sind. Die
unzähligen, wie im Schreibwahn verfassten Briefe an den Bruder aber bleiben
ein wahres Schlüsselerlebnis für die Empfindungen und Absichten des Künstlers. Dann sind
es wieder wunderbare Gedankenflüge, die in Farbpaletten schwelgen
und im Spiegel der Musik aufleuchten: Wie sehr liebte van
Gogh sein Kobaltblau, sein Karmesinrot, das sonnenblumenfarbene Gelb, das
Kardinalsviolett. "Ich habe mein Leben bezahlt mit meiner Arbeit", sagt van Gogh. Er hat dafür Unsterblichkeit erhalten. A.C.
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