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Così fan tutte von
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Ein Furioso der Gefühle Mozart als farbenprächtiges Märchenspiel |
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Deutsche Textfassung von Bettina Bartz und Werner Hintze Mus. Leitung: Kirill Petrenko Kostüme: Michaela Mayer-Michnay Besetzung: Fiordiligi: Maria Bengtsson/Tatjana Gadzik; Kurzkritik Eine verblüffend heitere und frohe Inszenierung, in der zwei Männer die Treue ihrer Frauen in Versuchung führen, aber deren eigene Untreue keine Rolle spielt. Moralisch also in jeder Hinsicht bedenklich, dennoch - trotz oder wegen aller Treulosigkeit- ein vergnüglicher Abend.
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Zwei barock kostümierte junge Männer lümmeln sich an einem kleinen Bartisch und resümieren über die Schönheit und Liebe ihrer Bräute, die sie als Handpüppchen mit sich führen. Don Alfonso, ihr gemeinsamer älterer Freund, zweifelt zynisch und grundsätzlich, dass Frauen treu seien. Das rückwärtige Wandbild zeigt schemenhaft ein altes Wiener Cafèhaus mit modern gekleideten Gästen. Weiter entfernt füttern sich an einem andren kleinen Tisch zwei Personen liebevoll mit Eis. Allerdings tragen sie Elchköpfe, einer weiblich, einer männlich. Na, das kann ja heiter werden. Und das wird es auch. Eine durch und durch hintergründig durchtriebene, märchenhafte und komische Show, die aufs Korn nimmt, was Mozart und sein Librettist Da Ponte sicher auch so ernst nicht gemeint haben können; denn sonst wäre diese lange entzückende Oper ein Drama und kein Lustspiel geworden.Dass viereinhalb Stunden selbst den verzücktesten Mozartfreund auf die Treue- und die jungen Sänger auf eine harte Konditionsprobe stellen, das ist nun einmal bei Mozart so. Und Konwitschny hat nichts gekürzt, im Gegenteil: durch die modern gefassten und oft witzig-skurill gereimten neuen Texte (fast alles gut verständlich!) hat man den Eindruck einer noch ausgeprägteren Version dieses Tändelspiels um Ehre und Treue, um Liebe und Leidenschaft. Und das alles in süßlich schwelgenden Farben und mit überdimensionalen Paradiesblumen dekorierten Drehbühnenbildern, die Mozart sicher gefallen hätten. Denn er liebte die Bühne kunterbunt und die Damen voller Anmut und Leidenschaft und ihn störte nicht, dass die Besucher sich essend und trinkend amüsierten und das Theatergeschehen lebhaft kommentierten. Heute schmunzelt man als wohlerzogenes Publikum vergnügt in sich hinein, genießt die Musik, die Kirill Petrenko in gewohnt feinfühliger Art zwischen Orchester und Sängern ausbalanciert. Wie die Musiker dabei den Schmelz und Zauber der liebesleichten Tändeltöne begleiten, Holz- und Blechbläser den Schmerz und die Verzweiflung tief hinab ins Sündhaft-Treulose führen, Harfe und Geigen virtuos in die seligen oder furiosen Gefilde der Gefühle aufsteigen, das ist immer wieder mozarteisch-atemberaubend. Derweil kokettieren allerliebst Schneeweißchen ( in Babyblau) und Rosenrot in ebensolchem Kostüm mit entsetzlich haarigen, schneeweißen Perücken und sind sich zum Verwechseln ähnlich, wie Teenager, die mit den Bräutigamen in Puppenformat spielen. Kichernd und kalbernd warten sie auf ihre Liebsten in Naturausgabe und brechen in ernsthafte Trauer aus, als diese ihnen eröffnen, dass sie kurzfristig in den Krieg abberufen worden seien. Denn Don Alfonso ( in unheilvollem Schwarz wie ein spanischer Grande gekleidet und mit leichenblass geschminktem Gesicht) hat bei den beiden Jünglingen erreicht, was er wollte: Sie werden ihre Bräute auf die Treue-Probe stellen, sich selbst verabschieden ( angeblich, um als Soldaten dem König zu dienen), aber verkleidet als Unbekannte werbend in die Idylle der Damenwelt einbrechen und so lange und mit so abgefeimten Mitteln um Herz und Körper der Schönen ringen, bis diese nachgeben (oder auch nicht) und Don Alfonso seinen Triumpf genießen kann (oder auch nicht). Dem Versucher zur Seite steht die ausgebuffte Marthe Schwertlein, die hier Despina heißt und als durchtriebene Kupplerin die beiden Unschuldslämmer ins Unglück führt. Denn letztlich verlieben sie sich tatsächlich in die beiden Fremden, die allerdings so dusselig verkleidet sind, dass man sich immer wieder fragt, wie solches ( Sich-Verlieben) denn angesichts überdimensionaler Turbane und ausgebeulter Schießer-Unterwäsche überhaupt nur möglich sein kann. Damit kein Interpretationszweifel aufkommt: Die beiden Mädchen lieben in dieser Inszenierung ihre Verlobten tatsächlich, sind ihnen nicht mehr allein aus väterlicher Für-und Vorsorge und standespolitischen sowie finanziellen Erwägungen heraus zugeteilt. Es erübrigt sich daher, zu vermuten, dass ihre Untreue ja auch aus ihrer Zwangsverbindung hervorgehe und damit vorab entschuldbar sein könnte. Damit bewegt sich das Kavalliersstück auf einer anderen Ebene: Die Menschen sollen so allgemein hin - gerade auch in unserer Zeit des oft beliebigen Partnerwechsels - erfahren, wie schmerzlich Treueverlust für alle Beteiligten ist. Gewinner gibt es nicht in diesem Spiel, das Zuverlässigkeit und Bindung, eheliches Versprechen und Existenzsicherung so leicht in Frage stellt. Aber, was noch in keiner Inszenierung herausgefiltert wurde, ist die ungeheure Unverschämtheit der beiden Burschen, die sich nicht scheuen, mit allen Mitteln der Verführung auf die Mädchen psychisch einzuhämmern: Denn wer die weibliche Hilfsbereitschaft, ihre Sorge um das Wohl anderer, ihr tiefgreifendes Mitleid derart täuscht wie diese beiden Männer es mittels scheinbarem Suizid und anderen Tricks versuchen), ist der Treue wirklich nicht wert. Stattdessen ein überschwängliches und ratloses Finale: Keiner weiß Bescheid, keiner weiß mehr, wer zu wem er gehört, wer wen liebt, und auch das Textbuch lässt die Antwort offen. Vorhang zu und alle Fragen offen... Così fan tutte - so machen's doch letztlich alle. Ist Liebe wirklich so beliebig? A.C.
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