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Der Reiter mit dem Wind im Haar von Frank Schwemmer (Musik) und Manuel Schöbel (Libretto) Oper für Kinder und Jugendliche (ab 9 Jahren) Uraufführung |
Der ferne Klang der Freiheit
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Ein Auftragswerk der Komischen Oper Berlin, koproduziert mit dem "carrousel-Theater" an der Parkaue Musikalische Leitung: Besetzung: Hans Gröning (Reiter), Miriam Meyer (Katka), Cornelia Dietrich (Laren), Stephan Spiework (Kasimir), Jens Larsen (Balthasar), Susanne Kreusch, Nina von Möllendorf (Schlangen), Johann Zürner (Der Namenlose), Ünsal Öksüz (Tintenkleckser);Maria Kempken (Dancing Marai), Kinderchor und Orchester der Komischen Oper Bühnenbild: Nicola Reichert, Kostüme: Christine Mayer; Licht: Frank Evin; Kinderchor: Christopf Rosiny und Jane Richter; Choreographie: Yoshiko Waki, Dramaturgie: Antje Kaiser und Silke Koneffke
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In vielen, vor allem osteuropäischen und nordischen Märchen gibt es das Bild des Reiters, der mit seinem weißen oder schwarzen Pferd in Sturmesschnelle durch die Lüfte eilt, um eine Prinzessin zu befreien und große Abenteuer zu bestehen. Diese Phantasie hat die Komische Oper mit einem schweren schwarzen Ross, auf dem Hans Gröning als "Reiter mit dem Wind im Haar" durch die Lüfte, über Berge und Länder jagt, eindrucksvoll aufgegriffen. Ein bisschen wie Winnetou thront er stolz über dem steinernen Hügel auf seinem hohen Rappen. Gröning ist ein prachtvolles Mannsbild mit werbendem Bariton. Dieser Reiter ist ein mächtiger, aber dennoch verwundbarer Herrscher - Wegweiser für Lebenskünstler und Unangepasste, die Aufregung und Abenteuer suchen - jenseits aller eng gesetzten Normen und Regeln. Auch die junge Katka sucht diesen anderen Weg, der sie aus der Enge in ein neue Erfahrung führen soll und macht sich auf, den legendären Reiter zu finden. Miriam Meyer mit fuchsrotem, langen lockigen Haar und glasklar jubelndem Sopran ist eine moderne Prinzessin, die den wilden Prinzen mit ihrer Liebe erlösen wird... Aber noch jemand sucht das Außergewöhnliche, Laren, eine Frau an jener Lebensgrenze, die eine letzte neue Orientierung noch möglich macht. Ein bisschen erinnert sie an die ungewöhnlichste aller alten lebensfrohen Damen namens Maude, die den jungen Harold von seinen Todesphantasien befreit (z.Zt. an der "Tribüne"). Aber Laren hat eine andere Aufgabe: Sie soll uns und vor allem ihre zwei alten Bewerber noch einmal in den Bann des Lebendig-Seins ziehen, mitnehmen auf ihre mutige Reise in das ungewisse Reich des großen Reiters, der alle Sehnsüchte, alle Fernen und Weiten in sich trägt, in dessen Haar all jene Aussteiger, Sonderlinge, Eigenbrötler, Individualisten nisten, die es in der Enge starren Reglements nicht mehr ausgehalten haben. Warm und voll klingt Cornelia Dietrich, sie bringt Güte, Verständnis, Lebenserfahrung und Selbstbewusstsein in die Gemeinschaft der Außenseiter.
Wer von den beiden alten Männern ihr nicht folgen will, ja, sie gar am eigenen Weg hindert, muss zurückbleiben, und wird Opfer der ihn elegant verführerisch umgarnenden Schlangen mit Namen Kleinmut und Missgunst. Biegsam und schmiegsam bezirzen Susanne Kreusch und Nina von Möllendorf wie Sirenen den bangen Balthasar, dem Jens Larsen ruhig ein wenig mehr Dämonisches verleihen dürfte. Denn er könnte sogar dem Reitersmann gefährlich werden, wenn es ihm gelingen sollte, all dessen Anhänger, die Freaks, zurück in die Stadt zu schicken. Dass diese Stadt aus Papier gebaut ist und dem Sturmangriff des Reiters nicht standhält, zeigt die Spannung zwischen den Polen: Freiheit und Ungewissheit stehen gegen Bindung und Sicherheit. Irmgard Paulis hat ein Bühnenbild erschaffen, das mit wechselnden Lichteffekten und dezenten Kostümen der Mitwirkenden unserer Phantasie jedwede Möglichkeit lässt, sich in eine Märchenwelt entführen zu lassen, die hier sein kann und überall anderswo. Die Kinder singen und spielen, von Jin Wang und seinem Orchester sicher und unaufdringlich geführt, und übereinstimmend folgen ihm auch die anderen Darsteller, deren Spielraum mit einer Umführung des Orchestergrabens noch imaginär erweitert ist. Frank Schwemmer hat eine nicht zu anspruchsvolle Oper komponiert, die den Gefühlen, Sorgen und dem Drang nach Unabhängigkeit jedes Individuums freie Entfaltung lässt. Und Manuel Schöbel, Experte für Kinder- und Jugendtheater, findet die passende Sprache. Oder ist es umgekehrt? Und so wird auch ein bisschen Pädagogik am Rande sichtbar: Wie kann man frei sein und sich dennoch binden - an Freunde, Eltern und ein Zuhause, das der Mensch ebenso braucht wie den Raum zur persönlichen Entfaltung. Das ist eine entscheidende Frage in unserer Gegenwart. A.C. |