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Die Dreigroschenoper (BE)
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Der Haifisch hat noch immer scharfe Zähne
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Regie, Bühne und Choreographie: Robert Wilson; Musik: Hans-Jörn
Brandenburg, Stefan Rager, Kostüme: Jacques Reynaud, Mitarbeit Regie:
Ann-Christin Rommen, Mitarbeit Bühne: Serge von Arx. mit: Drechsler, Engelmann, Glöss, Hoess, Junge, Senckel, Reppin, Völsch, Winkler; Buttchereit, Holtz, Jacoby, Kamninski/Pleßmann, Kurt, Nell, Schmidinger, Schneider, Singer, Thiema, Tsivanoglou, Werner, Znidaree |
Die "Beggar's Opera" (John Gay) wurde von Berthold Brecht und Kurt Weill mit allerlei Moritaten und musikalischen Zutaten hintergründig zusammengefügt und erlebte 1928 am Theater am Schiffbauerdamm unter der Regie von Erich Engel ihre Uraufführung als "Dreigroschenoper". Sie wurde ein durchschlagender Erfolg, den das Haus seinerzeit finanziell auch bitter nötig hatte, und sie stand bis bis 1933 fortwährend auf dem Spielplan! Jetzt wird sie von dem texanischen "Theaterzauberer" Harold Wilson als einzigartiges Kunstwerk wieder im Berliner Ensemble gezeigt, und sie gehört zusammen mit Shakespeares "Wintermärchen" und Büchners "Leonce und Lena" (Musik: Herbert Grönemeyer) zu den spektakulärsten und lebendigsten Inszenierungen an diesem Haus.
Phantastisch sind die Bühnenbilder (mit
Licht- und Leuchtfarben effektvoll dekoriert), belebend die bizarren
Kostüme, während die verzerrt geschminkten Gesichter bereits die
perfide Persönlichkeit der Figuren demaskieren; Und so bleibt das Stück trotz aller
gegenteiligen Befürchtungen ein höchst eindrucksvoller Politthriller,
der leichtfüßig daher springt und uns vormachen möchte, es sei hier
alles nur ein eitler, musikalisch aufgepeppter Ulk, und ist doch so
bitterböseernst. Stefan Kurt mit bestem Stimmvolumen wird als
Gangsterboss Macheath, genannt Mackie Messer, so schräg und androgyn
vorgeführt, dass er der "Mary" nebenan im Admiralspalast wohl ernsthafte
Konkurrenz machen könnte. Nur dass hinter seinem gentleman-habitus der
knallharte Ganove lauert, der die Spielregeln der Verführung der Frauen
wie der Mächtigen souverän beherrscht, während die blanke Bosheit in der
Fratze des Bettlermafioso Mr. Peachum geschrieben steht: Thomas Holtz,
ohnehin mit allen Bühnenwassern gewaschen, spielt diesen skrupellosen
Unterweltler mit diabolischer Hinhabe. Traute Hoess als Elfriede
Jelinek-Verschnitt parodiert sein Eheweib Celia, ausgestopft wie ein
Straußentier, mimisch und stimmlich bravourös in vielerlei Nuancen.
Neben ihr die entzückend zarte Tochter Polly, die wie eine Elfe aus
anderer Welt in dieses Verbrechermilieu hineingeschneit zu sein scheint,
behütet und bewahrt vor allem Bösen. Die dumpfe ärmliche Hochzeitsfeier,
die ihr geliebter Mackie und dessen rüde Räuberbande ihr anbieten, kann
sie jedoch in ihren Grundfesten und ihrer Liebe nicht erschüttern -
Christina Drechsler ist ein Naturwesen von lichter Gestalt, deren
Stimmchen sicher in gläserne Gefilde entschwebt, so dass man Sorge um
ihre Zerbrechlichkeit haben müsste, könnte sie nicht auch wie ein
Fischweib mit der Geliebten ihres Gatten um eben diesen wutentbrannt
zetern... Von Lebens- und Geldgier und Machttrieb geleitet, driften alle Figuren in diesem Schau-und Singspiel eindeutig hin zum Galgen. Dass der Schluss aber gänzlich anders aussieht, eben als Farce überraschend dem Ganzen die vor Übermut schillernde Autorenkrone aufsetzt, das ist nun einmal schlicht und ergreifend genial. A.C.
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