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Macbeth von Winfried Radeke (Bearbeitung)
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Walzer statt Wahn - Kann man mit Verdi spielen?
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z.Zt. nicht im Programm
In
einer Fassung von Winfried Radeke
unter der musikalischen Leitung von
Hans-Peter-Kirchberg spielt das Salonorchester Inszenierung: Ulf Otto Dramaturgie Bühnenkonzeption: Moritz Müller Video: Törge Möller und Momme Hinrichs Ensemble: Duncan/Malcolm: Hartmut KÜhn Macbeth: Robert Rosenkranz Lady Macbeth: Heike Charlotte Päuser Banquo: Frank Michael Macduff: Christian Crygas Die Hexen: Jewl Mosteller (Sopran). Uta Buchheister (Mezzo), Christina Otey (Alt) Fleance: Annalisa Derossi
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Endlich wieder Stimmen, die zumindest gesanglich einen gelungenen Abend garantieren – denn leider gelingt nur ganz selten der große Wurf einer Inszenierung, in der alles stimmt. Diesmal also Verdi’s Macbeth-Oper als Operettenverschnitt mit Salonmusik, Walzertönen und folkloristischer Gemütseinlage. Aber was ist dabei aus der niemals unendlichen Abfolge von mörderischer Machtbesessenheit, blindwütigem Aufstiegswahn und teuflischer Skrupellosigkeit geworden, die der große Dramatiker und Seelenkenner William Shakespeare und der große italienische Komponist Guiseppe Verdi in Wort und Ton so großartig darstellen? Wer hat hier die Neuköllner Oper, die doch sonst witzig, unterhaltend, auch wohl mahnend und tiefgründig sein kann, so fehlgeführt? Der Teufel in Gestalt von Macbeth und allen Diktatoren nach ihm ist schon ein Faszinosum; aber ihn zu bändigen ist eine andere Sache: Beeindruckende, aufrührende Gesangspartien, ganz gewiß, doch wenig Handlung. Die Sänger stehen mehr oder minder einsam auf der spärlich dekorierten Bühne herum, bewegen Hände, Arme und Beine; aber ein Schauspiel, ein Spiel, das die Hintergründe dieser infamen Frau und die Hörigkeit ihres schwachen Mannes durchleuchtet, ist es nicht geworden. Dazu würde auch mehr gehören als nur eine enge kleinbürgerliche Datsche, in der Couch, Tisch und Lampe als Symbol der Biederkeit und Engstirnigkeit eher lächerlich wirken als erklärend. Der König und seine Vasallen, die hereindrängen, um Macbeth für seine Tapferkeit im letzten Krieg zu ehren, wirken wie Pappfiguren in einem Lachkabinett. Aberdiese Lady – was für eine Dynamik, was für ein messerscharfer, gleichwohl volltönender Sopran – lässt auf Meike Charlotte Päuser als große Sängerin hoffen. Jedoch erst im letzten Akt zeigen die Darstellerin sowie Maske und Regie, was aus ihnen geworden wäre, wenn... wenn das ganze Stück von Anfang an auf Brisanz, Skurrilität und Wahnwitz hin konzeptioniert worden wäre! Da sitzt nämlich der abgeschlaffte Macbeth elendig verkommen, bewegungslos im Rollstuhl, kaum noch Herr seiner Sinne;und seine Lady kratzt sich mit furios aufgewühlten Haaren, zerrissenem Spitzenrock und blöder weißer Bluse an der Wand entlang – das Spiel ist aus. Der Blutwahn hat sie beinahe in Besitz genommen. Später wird sich die Lady umbringen – ihr Mann ist nicht einmal mehr dazu in der Lage. Da spürt man einen Anflug von Tragik. Doch eigentlich weiß man nicht so recht, wie man das alles einzuordnen hat. Auch die Videoeinspielungen (von Schlachtfeldern, Tyrannen unserer Tage und anderweitig geisterhaftem Geschehen), die eigentlich erhellend und vertiefend wirken sollen, bieten keine Brisanz. Eher noch das große Brotmesser, bei Woolworth für wenige Euro zu erhalten, auch für Wurst und Käse operabel, zeigt ein wenig Dynamik. Und das kleine Mädchen, das mal am alten Plattenspieler herumdreht, mal zitternd und bibbernd als kleines schottisches Töchterchen sich an Banquo schmiegt (eine Vorahnung der sich ankündigenden großen Abschlachterei) wirkt ein wenig verloren in dieser fremden Welt. Irgendwann befiehlt Lady Macbeth dem Orchester, den ohnehin spärlich dekorierten Bühnenraum endgültig abzuräumen. Die Datsche ist ohnehin schon von Macbeth selbst zertrümmert worden, nachdem er bemerkte, dass er sich gegen seine Frau nicht länger aufzulehnen vermochte. Da hätte er sie eigentlich auch selbst erschlagen können; man weiß ja, dass sie die Dynamik des Bösen vertritt, und dass ihr Mann nur ein Vasall ihrer maßlosen Machtgier (und vielleicht auch seiner sexuellen Abhängigkeit?) ist. Also diesmal nichts Neues auf der Neuköllner Szene – bis zum nächsten Mal. A.C.
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