Sing, Sing, Sing

Musical

von
Mathias Christian Kosel 

 

  

 Mit Swing an die Front

 

   

Komödie am Kurfürstendamm 

Ein Gastspiel des Altonaer Theaters, Hamburg

Regie, Bühne, Musikalische Leitung: Mathias Christian Kosel
Kostüm: Claudia Kuhr
Choreografie: Mecki Fiedler

mit: 
Victoria Fleer/Kira Primke, Katrin Gerken/Annette Mayer/ Alexandra Seefisch/Lillemor Spitzer; Matthäus Winnizki/Rainer Schnelle 
und

The Blue Eyes Swing Band

 

 

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Revivals sind absolut "in". Sie beginnen meistens mit der Jahrhundertwende; und danach passiert beinahe jedes Jahrzehnt Revue: mit seinen musikalischen highlights, die für einen nostalgischen Rückblick auf unseren heutigen Bühnen dramaturgisch bestens aufgearbeitet sind.

Erinnert im Schlosspark-Theater das mit leichter Hand inszenierte Musical "Im Monat Mai..." an die frühe Zeit des großen gesellschaftlichen und technischen Umbruchs vor dem 1. Weltkrieg,  so hatten jahrelang die Comedian Harmonists ihr großes Comeback am Ku'damm, gefolgt jetzt von "Swinging Berlin", einem tänzerisch aufgearbeiteten Rückblick auf die lockere Zeit vor und die schweren Jahre während des zweiten Weltkriegs; In der Bar jeder Vernunft gastierte monatelang "Cabaret", und überall auf den vielen kleinen Bühnen gab und gibt es zahlreiche schauspielerische Solovorstellungen mit kecken Gassenhauern Berliner Machart vor allem aus eben jenen Jahren, als sich die Kunst als der beste Freund der Not entfaltete.

Nun also gibt es auch noch in der zweiten Ku'dammbühne einen musikalischen Leckerbissen für Swing-Freunde: "Sing, Sing, Sing" gehörte zum unvergesslichen Repertoire der Andrew Sisters, einem fröhlichen Mädchentrio aus den Vereinigten Staaten, das der Welt einen ganz besonderen Sound bescherte, mit dem die drei talentierten Schwestern während des zweiten Weltkriegs die amerikanischen Soldaten an der Front aufheiterten. Dabei verbarg sich, wie stets, hinter den umjubelten Gastspielen, auch eine dunkle Seite des Show-Business: Heimweh nach dem (griechischen Elternhaus); Heiratspläne mussten für die Zeit nach dem Krieg zurückgestellt werden, und die Strapazen der Tournee forderten auch ihren gesundheitlichen Tribut. Hinzu kamen natürlich Zwistigkeiten, Auseinandersetzungen wie sie in Gemeinschaften überall vorkommen, die tag-täglich und nacht-nächtlich aufeinander angewiesen sind. Aber die Gewissheit, dass niemand die Gruppe verlassen kann und darf, zwingt sie immer wieder zu neuen Kompromissen; dazu ein unnachgiebiger Manager, der die Mädchen antreibt und vorantreibt.  

 Sie heißen Maxene, Patty und La Verne. Nach anfänglichem Misserfolg arbeiten sie ehrgeizig und hart. Und schließlich verfügen sie über ein Repertoire von über 20 hits, mit dem sie in den 30erJahren zunächst in ihrer Heimat Minnesota Karriere machen und von da ab die Welt erobern.
In überaus braven Kleidchen und schrecklicher Jelinek-Frisur, sowie mit züchtigen Gesten, die in jenen Jahren üblich waren, bewegen sich die heutigen sisters recht authentisch auf der Bühne - in ihren Kehlen haben sie jedenfalls Goldfunken und in ihren Gesichtern eine ganz persönliche, ungemein einnehmende Ausstrahlung. Augen und Mund sagen und singen das, wozu heute eine überdimensionierte Körpersprache eingesetzt wird. Und die Drei hatten und haben mit ihren Liedern trotz aller Leichtigkeit, die dem Swing zueigen ist, doch eine Menge zu sagen. "Bei mir bist Du schön" - verwandelt sich vom flotten Hit zum zärtlichen Trost in schweren Stunden, und aus ihren gute-Laune-Liedern wird ein behutsames, einfühlsames Mitschwingen, als die Nachricht vom Angriff auf Pearl Harbour einen unvergleichlichen Schock auslöst und die USA jäh in einen Krieg hineinzieht, der viele Menschen vor eine neue Aufgabe stellt. Was Worte nicht zu sagen vermögen, das kann die Musik ausdrücken. Und das sind in dieser Darbietung die wohl schönsten Momente: wenn sich die Töne leise von ganz weit her, aus dem tiefsten Inneren der Sängerinnen behutsam ihren Weg in die Herzen der Zuhörer bahnen. A.C.