Bankenstück

von Volker Hesse

 

  Revolution mit Topfschlagen

 

 Maxim Gorki Theater

 

Regie: Volker Hesse

Raum: Marina Hellmann

Kostüme: Sabine Volz

Musik: Sabine Worthmann

Choreographie: Graham Smith

mit: Rosa Enskat, Ghada Hammoudah, Monika Hetterle, Anna Kubin, Monika Lennartz, Francesca Tappa, Heike Warmuth, Ursula Werner, Ulrich Anschütz, Horst Fischer, Silvio Hildebrandt, Wolfgang Hosfeld, Julian Mehne, Thorsten Merten, Dietmar Obst, Norman Schenk, Eckhard Strehle, Michael Wenninger, Dieter Wien, Fabian Oscar Wien sowie Mitglieder der Gorki-Studenten-Gruppe "Fäustlinge".

 

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 In seiner Programmvorschau für die laufende Saison erläuterten Volker Hesse, Intendant und Autor sowie ...Regisseur, vor einiger Zeit den Pressevertretern ihr Motiv für dieses Stück: Es basiert schlicht und ergreifend auf einem Brechtwort, das da lautet: "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank..."

Mit der horrenden Misswirtschaft der Berliner Bankgesellschaft, die dem Stadtstaat Berlin eine zusätzliche vieljährige, kaum zu bewältigende Abtragslast auferlegt (man hofft ja auf den Bund, der Berlins Schulden tilgen soll!), fanden die Worte Brechts nun ihr Aha-Erlebnis: Tatsächlich wird es keinem Bankräuber je möglich sein, soviel Geld zu erbeuten, wie die Bankgesellschaft mit Hilfe fast aller politischen Parteien verwirtschaftet hat und das durch schlichte Unfähigkeit und mit anerkannt unlauteren Methoden.

Das genügte dem Autor, um aus dem Scheitern der Berliner Staatswirtschaft ein Revolutionsdrama zu schmieden, ebenfalls á la Brecht, nur viel, viel langweiliger. Über rote Brigaden, die das rote Rathaus stürmen, über Kommunarden und ein entsprechendes Schiedsgericht, über fiese Folterungen und vorhersehbare Attacken des wachgerüttelten Pöbel geraten diese Revolution und ihr Tribunal gegen die fünf Banker ins Trudeln. Diese halten sich eigentlich nicht für schuldig und können, selbst als ihnen der Strick am Halse hängt, ihre Schuldzuweisungen nur andeutungsweise dem jeweils nächsten Vorgesetzten zuordnen. Irgendwie scheinen auch sie den Durchblick verloren zu haben - wie der Bürger schon längst. Eines aber wissen die Profis ziemlich genau: Schuld an der Misere trägt der Bürger selbst durch seine maßlosen Forderungen nach sozialer Sicherheit, Arbeitsplätzen, Kindergärten, Studienplätzen und kultureller Rundumversorgung.

Ursula Werner, von jeher grandiose Verkörperung de echten Berliner Volkseele, bringt diese zum Überkochen. Da schäumt der einfache Mann/Frau, will man ihn um seine gewohnten und liebgewordenen Privilegien bringen. Und der Banker nebenan, was kümmert`s  den, wie sich die Masse gegen ihre plötzliche neue Armut zu wehren versucht. Die Augenwischerei, die die alte DDR einst betrieb, bleibt außen vor. Aber stets sind die Reichen, die Wirtschaftsbosse, der Kapitalismus der Feind von jeher gewesen, und dieser liefert sich nun mit dem Bankenfiasko, wie erwartet, durch eigene Dummheit und Arroganz selbst ans Messer.

Hat der Autor und Intendant Hesse damit nun die Pleite der Bankgesellschaft theatralisch und dramaturgisch bewältigt? Die Bürger sind erwacht - das ist an sich eine positive Nachricht; sie sind mittlerweile auch soweit, dass sie annähernd begreifen, was kaum einer der Insider begriffen hat: Nur der Finanzsenator weiß es und wird nicht müde, es immer wieder laut zu verkünden: Berlin ist jedenfalls pleite. Nicht wegen der Bankgesellschaft und ihrer infamen Machenschafen, sondern, weil es insgesamt über seine Verhältnisse gelebt, weil diese Stadt mehr gebaut, geplant, verwirtschaftet hat als das Budget je hergab. Das ist die Crux. Auch die Einsicht, dass in vielen Bereichen gespart werden müsste, macht die Sache nicht leichter; denn wer will schon gerne aufgeben, was er mühsam errungen hat? Vor allem dann

In der Gorki-Version der Bankpleite wird zwar ein bisschen Revolution gemacht  - aber wofür? Mit welchen Lösungen und welchen Mitteln? Es wird mit Töpfen und Rasseln geklappert, aber letztlich verfällt er Aufstand in fatale Zersplitterungen. Ausgerechnet UN-Truppen stellen den Frieden wieder her und schicken die alten Profis zurück in ihre alten Jobs. Schließlich wissen sie nicht nur, wie man den Karren in den Dreck zieht, sondern auch, wie man ihn wieder herausbekommt. Wollen wir`s hoffen. Bisher ist wenig davon zu spüren. Auch nicht in diesem Theaterstück, dass leider auf eine Inszenierung verzichtet, die wirklich unter die Haut gehen könnte. So bleibt ein kleiner, gemütlicher Revolutionsabend; der Strick wird nicht strammgezogen, die Autoreifen, munter von autonomen Weibern mit Benzin übergossen, brennen nicht. Nicht mal ein Funke springt über. A.C.