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Das Produkt von
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Eine erbarmungslose Leidenschaft
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mit: Jörg
Hartmann und
Simone Kabst; |
Ein Mann, ein Filmproduzent, versucht, eine Frau, eine Schauspielerin, auf sein neues Drehbuch einzustimmen. Sie treffen sich am Bartisch, die Frau sitzt auf einem Hocker und hört zu, lächelnd, freundlich, nippt am Wasserglas, dann und wann verzieht sich ihre Miene zu leichter Skepsis, am Ende geht sie, ohne ein Wort gesagt zu haben. Simone Kerbst gibt diese undurchdringliche Olivia, die „fantastische Schauspielerin", die in diesem Film eine Frau spielen soll, die sich von der freundlich-sensiblen Callcenter-Managerin zur leidenschaftlichen Geliebten eines potentiellen Terroristen wandeln soll. Das klingt zunächst aufreizend banal, denkbar und absurd zugleich; aber es müsste nicht Marc Ravenhill sein, der sarkastisch-bitterböse Vertreter einer englischen Dramatikergeneration, die für die skrupellose Verköstigung unserer europäischen Bühnen sorgt. Und es müsse nicht Jörg Hartmann sein, der sich in der Rolle des James in diesem an die Substanz gehenden einstündigen Monolog die Seele aus dem Leib spielt und den Verstand aus dem Hirn schwitzt, um seine stumme Schöne von der Bedeutung dieses „Produkts" zu überzeugen. Aber wer und was ist dieses Produkt außerdem? Ist es das Skript eines Wahnsinnigen, ist es die Schauspielerin, die in diese Rolle gezwängt werden soll, ist es Amy, die Frau in der Geschichte selbst, die zum abhängig-willenlosen „Produkt" ihres Geliebten und der Idee seiner terroristischen Vereinigung wird, die die Welt in die Luft sprengen will? Warum aber löst dies Stück soviel Heiterkeit bei den jüngeren Zuschauern aus? Ist es die makabre Selbstdarstellung eines um die Akzeptanz seiner stummen Muse eifernden Produzenten, der gleichsam das nicht enden wollende Skript selbst zu spielen versucht, dazwischen in die augenblickliche Wirklichkeit zurückkehrt, um detaillierte Regieanweisungen zu verkünden, denen seine Zuhörerin mit derselben Gelassenheit widersteht wie der Schauergeschichte der einsamen Amy, die sich im Flugzeug in den Terroristen Mohammed verguckt, ihn mit nach Hause nimmt und in einer Erotik vergleißt, die den unerklärlichen Reiz der Selbstaufgabe in sich birgt? Oder ist es die übliche Bond-Version, die am Ende folgt, in der sie, selbst zur Gottes-Kriegerin mutiert, nun den heillos verstümmelten Geliebten aus amerikanischer Folterhaft zu befreien versucht? Es bleibt vieles offen in dieser unzweifelhaft auch beabsichtigt kitschigen Sex- and Crime-Gruselstory, in der Ravenhill gleichermaßen unser Phlegma wie auch unsere Gier nach Sensationen aufspießen will, mit der wir die unsäglichen Selbstmörderattentate bereits in die „Normalität" der täglichen Berichterstattung einreihen und – als Vermarktungsobjekt für publikumswirksame Filme unverzeihlich missbrauchen. Allerdings setzt Thomas Ostermeier einen Schluss, der die verbliebene Restspannung von ihrer Unerträglichkeit befreien will, was weder schlüssig noch nötig ist. Stück und Spiel gehen auch so gewaltig an die Substanz. A.C.
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