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Der Liebhaber von Harold Pinter
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Schizophren oder faschistisch? |
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ein Liebesexperiment im Krieg Orphtheater Inszenierung:
Constanze Roséno mit Inés Burdow und Herbert Schoeberl Weitere Vorstellungen am 16.-19.2./23.-26.2.2006 jeweils 20 Uhr Kurz gesagt Das Stück wird durch die Musik vorangetrieben, die immer mehr aus dem Rhythmus und aus der Harmonie gerät. Sie ist zu Beginn des Stückes klar, gefällig und fast sinfonisch und sie gibt einen eindeutigen Rhythmus vor. Mit zunehmender Eskalation des bisweilen durchaus humorvollen Ehekampfes wird sie härter und chaotischer, bis sie letztlich nur noch aus Tonsequenzen, Lautschnipseln und Geräuschen besteht. |
von Matthias Herbig Das Orphtheater in der Ackerstraße in Mitte macht von außen nur durch ein Schild über dem Durchgang zum Hof auf sich aufmerksam. Doch wenn man dem Charme des Provisorischen und Nicht-Durchgestylten in den Hof nach links nachgeht, wird einem hier ein Stück hoffnungsvolles junges Theater geboten. Am 9.2.2006 hatte hier "Der Liebhaber" von Harold Pinter in der Inszenierung von Constanze Roséno Premiere. In diesem Stück wird das ewige Menschheitsthema von Adam und Eva auf die Spitze getrieben. Wir sehen ein typisches Mittelstandsehepaar, sie - Hausfrau, er - Büroangestellter, umgeben von kleinbürgerlichen Wohlstandsklischees, wie ein Haus in der Vorstadt und neugierige Nachbarn. Das kinderlose Paar versucht mithilfe eines erotischen Spieles aus dieser Enge auszubrechen. Dabei wird aus dem Liebesspiel zunehmend ein Machtspiel, indem sich die Protagonisten mit ihren Erwartungen und stillen Sehnsüchten formulieren wollen, aber dabei immer wieder an sich selbst und dem Anderen scheitern. Sie verlieren nach und nach immer mehr die Kontrolle über sich selbst und damit über das Spiel, bis dieses völlig eskaliert, und nur noch das Recht des Stärkeren zählt. In der darauf folgenden Ernüchterung und dem Versuch wieder aufeinander zu zugehen, tauchen Schuldvorwürfe, Entschuldigungen und notdürftige Erklärungsversuche auf. Aber aller Vernunft und Moral zum Trotz sieht sich das Paar schlussendlich unvereinbar gegenüberstehen. Die Bühnen- bzw. Raumeinrichtung ist genauso raffiniert wie gewöhnungsbedürftig. In der Raummitte befindet sich längs ein etwa ein Meter breites Bühnenpodest. An den beiden langen Seiten der Bühne sind jeweils zwei Zuschauerreihen, so dass die Bühne eher einem Laufsteg ähnelt. Raffiniert ist diese Anordnung, weil sie bewirkt, dass das Publikum, egal wo es sitzt, selten beide Akteure gleichzeitig beobachten kann, entweder sind sie soweit voneinander entfernt, dass der Zuschauer sich entscheiden muss, oder sie sind sich so nah, dass ein Spieler den anderen verdeckt. Das Bühnenbild fängt die ganze kleinbürgerliche Idylle ein - mit einem riesigen Spiegel an einem Ende der Bühne und einem Plexiglas-Allzweckmöbel. Last but not least, jede Theatervorstellung wird entscheidend von den Schauspielern bestimmt. Durch das Spiel von Inés Burdow als Sarah und Herbert Schoeberl als Richard wird von Anfang an eine höchst lebendige erotische Spannung erzeugt, die das Publikum fesselt, es schmunzeln lässt und den Raum füllt. Es ist eine Lust, Ihnen dabei zu zuschauen, wie sie mit einzelnen Worten ganze Bilderfluten erschaffen können. Faszinierend ist auch die Wandlungsfähigkeit von Herbert Schoeberl von Richard zu Max. Sie schaffen es, in dem Liebesspiel des Paares die ganze menschliche Triebhaftigkeit, Machtbesessenheit und Laszivität aufblitzen zu lassen, die sich langsam bis zur Maßlosigkeit steigert. Nach dem Gewaltausbruch und den darauf folgenden Erklärungsversuchen verlieren sich die Konturen der Figuren und damit leider auch die Spannung. Als zum Beispiel Gott mit ins Spiel gebracht wird, der Ihnen übrigens auch keine Antwort gibt, lassen beide keinen Raum für ein Entdecken. Dadurch werden die Figuren unglaubwürdig. Dies vergrößern die Verwirrung, vor die der Zuschauer im zweiten Teil gestellt wird. Fragen wie, ist Richard schizophren oder faschistisch, drängen sich auf. Nun war Harold Pinter nie ein angepasster Zeitgenosse. Vielleicht war dies genau seine Absicht? Oder will uns Constanze Roséno einen Schlüssel zum Verständnis bewusst vorenthalten?
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