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Die Kopien von Deutsch von Falk Richter
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Trau keinem Klon |
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mit: Josef Bierbichler und Mark Waschke Regie: James Macdonald Bühne: Jan Pappelbaum Kostüme: Almut Eppinger Dramaturgie: Maja Zade Y
Die Autorin , Jahrgang 1938, ist eine anerkannte englische Gegenwartsdramatikerin. Bereits in ihren frühen Stücken in den 70er Jahren experimentierte sie mit verschiedenen dramatischen Formen und Erzählweisen. In den 80er Jahren war sie die meistgespielte Autorin der Welt. Heute ist sie fast schon wieder in Vergessenheit geraten. Caryl Churchill hat über 20 Stücke geschrieben und ist Vorbild für die junge Generation englischsprachiger Theaterautoren wie beispielsweise Mark Ravenhill. Ihr bekanntestes Stück ist "Top Girls". |
Wer tötet wen - wer ist Kain, wer ist Abel, wer Klon, wer Original? Keiner blickt da so recht durch, immerhin sind es 20 Abkömmlinge an der Zahl minus eins, nämlich abzüglich des Einen, der ermordet wurde - oder war er gar das Original? Wen hat hier der Vater nach dem Tod der Mutter vernachlässigt, wen bevorzugt, warum hat er den Sohn überhaupt klonen lassen - und warum konnte das 30 Jahre lang verborgen bleiben? Bis sich eines Tages die ganze geklonte Mannschaft zufällig im Krankenhaus begegnet. Da kann man schon ausrasten. Der sensible Bernard, Mitte 30, jedenfalls tut das, und man sieht, es geht ihm ganz schön an die Nieren, das mit seinen Brüdern und seiner ungeklärten Vergangenheit. Der Vater stottert verlegen herum, kein Satz wird zuende gesprochen, Andeutungen, Wortfetzen, Signale nur, die Wahrheit bleibt verschleiert. Josef Bierbichler, ein Urbayer wie man ihn sich in Preußen vorstellt, druckst, den schweren Gesprächsanforderungen kaum gewachsen, verlegen herum, versucht die Söhne listig abzulenken: "Wir könnten eine Menge Geld herausschlagen". Aber die wollen davon nichts wissen, besser wär`s, sie kennten ihre Identität und die Wahrheit. Wozu? fragt schließlich der dritte Sohn, ein blauäugiger Sonnyboy à la Terence Hill, der dem irgendwie-ja-doch-Vater auf der gleichen Couch gegenüber sitzt, auf dem zwei seiner Brüder zuvor verzweifelt und erbittert um ihre Identität kämpften. Der Dritte aber ist unbeschwert, nicht vollends glücklich, wer ist das schon, aber er ist er, und dass es 20 von seiner Art gibt, das findet er eher spaßig als bedrückend. Denn er jedenfalls führt sein individuelles Leben, hat Familie, Beruf und, wie man hört, ein zwar nicht unkritisches, aber eingepasstes Verhältnis zur Welt und ihren Besonderheiten. Mark Waschke, der alle Bruder-Rollen übernimmt, versteht es, die Persönlichkeiten der drei doch recht unterschiedlichen jungen Männer in ihrer tiefen Betroffenheit, in ihrer unbändigen Wut und ihrer Lässigkeit faszinierend auszuspielen. Denn frei nach den Erkenntnissen in der Zwillingsforschung und der Tiefenpsychologie hat sich die Autorin überlegt, was uns denn angesichts einer perfekten Gentechnik noch für ein Trost bleibt. Das Thema Vater-Sohn-Verhältnis, der Brudermord, die brennende Frage nach der eigenen Identität sind Konstanten des Menschseins. Und Frau Churchill kommt glücklicherweise zu dem Schluss, dass jedem Menschen seelische und körperliche Eigenschaften gegeben sind, die ihn einzigartig machen. Hoffentlich stimmt`s. A.C.
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