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Herztier
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Die Hatz auf das Herztier
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Es spielt Anja Schneider Regie: Felicitas Brucker, Ausstattung: Kathrin Frosch; Dramaturgie: Andreas Koschwitz
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Hier hat ein Damen-Glückkleeblatt gewirkt und Beachtliches aus der Taufe gehoben. Mehr ahnend als wissend hat das Maxim Gorki Theater bereits im April 2009 die Rumänen-Deutsche Herta Müller, die seit 1987 in Berlin lebt, entdeckt und ihr literarisches Niveau, mit der sie ihre Empfindsamkeit und ihre bitteren Erfahrungen im Regime der Diktatur unter Ceausescu nobelpreiswürdig verarbeitet hat, zu einer bühnentauglichen Fassung kunstvoll umgearbeitet. Mit Anja Schneider steht hier eine kongruente sensible, beinahe kindlich-naiv unantastbare junge Frau am Rande und doch in der Mitte des alltäglichen Geschehens, dass so traurig, so erstaunlich, so drastisch und so feinnervig ist wie ein Leben unter und inmitten einer sich wolfsartig zerreißenden "Gesellschaft" nur sein kann, die an der Macht des Bösen mit einem systematisch injizierten Hass teilhaben möchte. Es ist vor allem die Poesie, die
Anmut, mit der die Ungeheuerlichkeiten des Verrats, der Intrige, der
Bösartigkeiten, der psychischen Folter bis hinein in den Suizid
gefiltert werden, in filigran sprühenden Funken deutlich wird. Anja
Schneider zeigt eine differenziert widergespiegelte Empfindsamkeit,
eine
schmerzhafte Fähigkeit der bewussten Wahrnehmung aller sich zu einem
Schreckensbild fügenden täglichen Ereignisse, aller Untaten, die sich
aber erst im Schweigen der angstvollen Mehrheit mehr und mehr zu
Ungeheuerlichem entwickeln können; aber zugleich auch die vorsichtige
Tapferkeit der zäh Kämpfenden, all jener, die sich gegen die
Unfreiheit aufbäumen und sich mit ihrem ganzen Wesen an die Grenze
wagen, die zwischen Hoffnung und Vergeblichkeit läuft. Voller Wehmut und Mitgefühl, zuweilen auch mit liebevollem Spott erinnert sie sich an die Kindheit mit den beiden skurrilen Großmüttern, die in ihr das "Herztier" weckten; sie beschreibt die Mutter, die auf dem Lande weiterhin zwar ihr dörfliches Leben umhüllt, aber zuweilen doch von den politischen Beobachtern scharf unter Druck gesetzt wird, die das dichterische Treiben der Tochter in der Stadt mit Argusaugen beobachten. Es gibt einen Geheimcode in den Nachrichten, die sich die Freunde schicken, Zeichen und Anzeichen, wie man einander das Unaussprechliche, das Gefährliche, die letzte Drohung mitteilen kann, und dann ist es doch jeweils zu spät. Was bleibt, ist das Herztier, das zwickt und zwackt und in die fremde Freiheit drängt, bevor es getötet wird. Felicitas Bruckner führt eine aufmerksame, lebendige, scheinbar zufällige und doch genau berechnete Regie; Kathrin Frosch hat eine spärlich beunruhigende Guckkasten-Bühne geschaffen, geteilt durch eine Plexiglaswand und einen Plastikvorhang, ausgestattet mit einem alten Heizkörper sowie einem Gefäß, das vielseitig benutzt werden kann. Und inmitten steht, sitzt, sinniert die Erzählerin im schwarzen Stretchkleid, das als Schutz- und Sichthülle dient, aber zugleich auch als Symbol unantastbarer weiblicher Würde. Man sollte diese Romanadaption unbedingt anschauen. A.C.
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