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Kollaboration
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Zwei Genies im Spiegel der NS-Zeit
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mit: Matthias Freihof als Stefan Zweig, Peter Bause als Richard Strauss, Helena Büttner, Marlen Ulonska, Wolfram Kremer und Thomas Martin Regie: Wolfgang Engel
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Vor Jahren sahen wir im Schlosspark Theater ein gleichermaßen eindringliches Vergangenheits-Bewältigungsstück, dass sich mit der Rolle Wilhelm Furtwänglers in der Nazizeit in einem dramatischen Verhör mit einem amerikanischen Offizier auseinandersetzte.
Diesmal ist es Richard Strauss, der offensichtlich von der Nachwelt der
Kollaboration mit den Nazis bezichtigt wird und sich – in einer fiktiven
Version von Ronald Harwood – hier nun offenbaren und rehabilitieren
soll. Ein Mann, ein großer Historiker, Dichter und Schriftsteller, dessen Feinfühligkeit und Besonnenheit dem exzentrischen Temperament des Komponisten der Salome, der Frau ohne Schatten, des Rosenkavalier so extrem gegenübersteht, dass man über die Freundschaft der Beiden beinahe verwundert sein könnte. Peter Bause spielt Strauss mit unvergleichlicher Präsenz, lässt ihn in seinem Genius schillern und brillieren, aber zeigt auch dessen charakterliche Ohnmacht gegenüber den Peinigern des Dritten Reichs, zeigt seine Hilflosigkeit und Kapitulation, aber auch seinen bewundernswerten Mut, seine niemals versiegende Hoffnung, dass die Kunst, seine Kunst und die seines Freundes Zweig den bösen Zeitgeist schnell überwinden wird. Die Kunst hat zwar überlebt, sein Freund indes nicht. Bause und Freihof sind zwei intensive Schauspieler, die jede Faser ihres Herzens in diese Rollen verpflanzt haben und durch ihre Identifikation mit zwei großen Männern der Muse alle Zweifel und alle Diskussionen über Schuld und Verurteilung aufheben. Dass Strauss seiner halbjüdischen Familie wegen Zugeständnisse machen musste, dass er aber so naiv oder so unverfroren war, Zweig in aller Offenheit in seinen Briefen mitzuteilen, was er wirklich von den Nazis hielt und dabei sich fast um Kopf und Kragen gebracht hätte, dass er andrerseits aber auch ein Mann ohne Kompromisse war und für seine Musik alles zu tun bereit war oder fast alles, lässt tief in die Seele eines Komponisten blicken. Absolut der eine im Kampf um seinen künstlerischen Freiraum und zutiefst getroffen der andere, der seine Kunst ohne absolute Freiheit nicht verwirklichen kann und in der vermeintlichen Schuld um seinem vernichteten Volk in den Tod folgt. Die Parts von Hellena Büttner als couragierte Frau Strauss und Marlen Ulanska, die ihren geliebten Ehemann bis zum letzten Tag begleitet, sind nicht minder stark ausgeformt, und Thomas Martin muss leider den fiesen Schergen der Hitlermannschaft spielen, der Strauss brutal unter Druck setzt. Man kennt dies aus vielen anderen Stücken und ist immer wieder erneut entsetzt über so viel Zynismus, der in den Menschen wohnt… Das Berliner Publikum zeigte sich tief beeindruckt und würdigte dies „Konversationstheater der besten Sorte“, wie es im Programm betitelt wird, mit herzlichem Beifall.A.C.
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