Komödie der Irrungen

nach

William  Shakespeare

 

 

Shakespeare als China-Import 

 

   

Sommertheater im Monbijoupark Berlin Mitte

 

mit dem

Hexenkessel Hoftheater

bis 4./9. September

   Regie und künstlerische Leitung, Textfassung: Jan Zimmermann

Dramaturgie: Sabine von Törne, Katja Winkler

Kostüme und Zeichnungen: Isa Mehnert

Bühne: David Regehr

Musik: Mila Morené

mit: Micha Schwager; Carsta Zimmermann, Miriam Sachs, Isabell Weißkirchen, Roger Jahnke in mehreren Rollen

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  Unverzichtbar in diesem Sommer bei jedem open-air-event: sind Regenschirm und wetterfeste Kleidung sowie der Wille durchzuhalten, sofern nicht gerade ein Unwetter wahre Sturzbäche über Bühne und Zuschauer ergießt. So war es nun leider bei den ersten beiden Aufführungen der neuen Inszenierung „Komödie der Irrungen“ der Fall. Nichtsdestotrotz ließen es sich die Darsteller nicht nehmen, beim zweitenmal zügig durchzuspielen und sich mit Sonnenblumen als Anerkennung Mut zusprechen zu lassen – es kann nur besser werden. Mit dem Wetter.

Denn: Obwohl Jan Zimmermann seine Darsteller zur ohnehin schon verwirrenden Handlung (Verwechslung total mit zweimal zwei Zwillingspaaren) zusätzlich noch mit altchinesischem Outfit und Sprachgezwitscher versieht, erhebt das Hoftheater ja keinen Anspruch auf Burg-Niveau, sondern will nur das sein, was es alle Jahre propagierte: ein entzückend bunter Ferienspaß. Shakespeare wird dabei nicht einmal so sehr auf den Kopf gestellt, sondern eigentlich ganz zeitgetreu als bunte Groteske serviert, mit viel Charme und dem Anspruch, einen vergnüglichen Abend zu bereiten. Dafür muss man in Berlin dankbar sein.

Zur Handlung, die man vorab kennen sollte, um bei dem konfusen Ablauf noch durchzublicken, deshalb so viel: ein Kaufmann aus Ephesus verliert im Sturm bei einem Schiffsunglück einen seiner Zwillingssöhne und dessen Diener, ebenfalls ein Zwilling. Der andere Sohn und sein Diener - man ahnt schon, was kommt - machen sich als junge Männer nun auf, die verlorenen Zwillingshälften in der Welt zu suchen. Nachdem er fünf Jahre lang nichts von ihnen gehört hat, begibt sich der Vater beunruhigt auf die Suche nach ihnen und landet in Syracus, leider nun eben dem Todfeind von Ephesus. Er wird eingekerkert und hingerichtet. Das ist der traurige Auftakt, mit Puppenspiel und grotesker Dolmetscherfarce allerdings absurd und witzig verabreicht. Nun tauchen aber Sohn und Diener auf, mit Schmugglerware ausgestattet, die ihnen Eintritt ins fremde Land ermöglicht hat. Da zufällig der gesuchte andere Zwillingsbruder in Syrakus als angesehener und gut situierter Bürger lebt, ergibt sich mit dem Eintreffen der nahezu identischen Neuankömmlinge eine fröhliches Durcheinander. So ein Schwank muss natürlich sehr schnell gespielt und gesprochen werden; Worte und Handlung müssen so durcheinanderwirbeln, dass dem Zuschauer der Atem stockt – eine relativ hohe Anforderung an die Zwillingsdarsteller, von denen naturgemäß Carsta Zimmermann als doppelter Diener Dromio die absolute Harlekin-Rolle hat. Sein Herr Antipholus garantiert in Körpergröße und Kleidung die würdevolle Zurückhaltung eines noblen Kaufmanns. Die beiden Damen sind Schwestern mit unterschiedlichen Ansichten über Ehe und Gleichberechtigung, die sie mit zwei Liedchen – eines chinesisch, eines mehr á la Kurt Weill – dem Publikum kundtun. Für Miriam Sachs und Isabell Weißkirchen ein sichtbar vergnügliches Unterfangen. Die am meisten ausgefallenen Figuren aber bietet Roger Jahnke als Schwuchtel mit Hündchen und autokratischer Herrscher Egeon. A.C.