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Maria Stuart von
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Der Kampf der Königinnen |
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Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. 1. Aufführung 14. Juni 1800 in Weimar Regie: Luk Perceval Bühne:
Annette Kurz; mit: Thomas Bading, Jule Böwe, Jean Chaize, Patrice Luc Doumeyrou, Berd Grawert, Ezard Haußmann, Femke Heijens, Alexander von Hugo, Yvon Jansen, Erhard Marggraf, Werner Rehm, Falk Rockstroh, David Ruland Kurzfassung: Eine etwas unglückliche Besetzung mit zwei Kind-Königinnen, die zwar toben und giften, was die Lunge hergibt, aber weder die schwierige historische Dimension noch die emotionale Zerrissenheit Elisabeths zwischen Staatsraison und Großzügigkeit herausarbeiten können. Ansonsten viele nette Regieinfälle und ein etwas kopflos agierendes Ensemble, dem Regierungsgeschäfte ebenso einerlei wie fremd sind. Die Zurück |
Über der großflächigen dunklen Bühne schwebt ein langer schwerer Balken, an Ketten gehalten. Die Hälfte des Raumes unterteilt ein quadratischer Vorhang, der den Schauspieler zeitweilig wohl einen kurzen Abgang ermöglicht, aber vorwiegend als Leichentuch vorgesehen ist, das am Ende der vierstündigen Aufführung die schottische Königin Maria einhüllen wird, nachdem drei adrette Bogenschützen (die zuvor eine überzeugende Vorführung ihrer Treffsicherheit abgaben) ihr ins Herz geschossen haben. Der Balken wird sich
später senken und abwechselnd als Sitzbank und Bankett-Tisch für den
Kronrat, oder als schwankende Schiffschaukel dienen, auf der sich
beiden Königinnen angiften, währen der Vorhang aus Fliegerseide
sich sanft im Winde bläht. gefasste Todesurteil. Man bezichtigt Maria des Ehebruchs, des Gattenmordes und vor allem - was zur Todesstrafe führt - des Hochverrats an England. Maria, mit blondem Strubbelkopf, spielt eine irre, zeitweilig wieder in die Normalität überwechselnde Frau mit geistigen Ausfällen und körperlichen spastischen Einschüben. Ob sie den Wahnsinn vortäuscht, um ihre Feinde zu provozieren oder ob sie wirklich dem Wahnsinn nahe ist, wird durch die Verkasperung Marias durch Yvon Jansen nicht so recht klar. Die Auswirkungen der Isolationshaft würden heute allerdings einen Untersuchungsausschuss rechtfertigen. Und dann dies Urteil! Da kommt, wie gerufen, der junge Mortimer (David Ruland) flugs von Frankreich herüber, von wo aus er nicht nur zwei elegant gelackte und befrackte französische Gesandte mitbringt, sondern auch seine feste Absicht, Maria zu retten. Er ist der Neffe von Marias strengem Wächter Paulet (Thomas Bading) und muss daher seine Botschaft im Flüsterton verkünden; im großen Publikumssaal durchaus verständlich (was man später von dem wütenden Gezeter der Königinnen nicht unbedingt behaupten kann). Er wird mit Freunden Maria retten und aus dem Gefängnis befreien. Als Maria ihm endlich glaubt, steckt sie ihm einen Brief zu, der eine geheime Botschaft an Robert Dudley, den Grafen von Leicester, enthält. Dann tritt Jule Böwe als Elisabeth auf, und man meint zu wissen: Jetzt wird endlich Theater gespielt; jetzt wird sich eine Königin vorstellen, die zwischen den Schillerschen Polen wandelt, leidet und herrschen muss, eine Königin von Format, aber von fehlbarer Abstammung, nämlich die uneheliche Tochter von Heinrich VIII und Anne Boleyn. Aber sie kämpft vor allem – teils historisch und teils poetisch gesehen - um die Erhaltung der Macht Englands, aber auch um den Ausgleich der Religionen, um ein friedliches Leben für ihr Volk. Und sie kämpft um ihren Geliebten Robert Dudley, ihren Ratgeber und Freund; sie will zunächst natürlich Maria gerichtet wissen, mit Hochverrat und mehren Mordversuchen an der englischen Königin ist auch bei Schiller nicht zu spaßen; aber da sind ernsthafte Fürsprecher, die Maria schonen wollen und an Elisabeths Großmut und Güte, an Herz und Verstand gleichermaßen rühren. Das alles ist ein bißchen viel, auch für Jule Böwe. Sehr zart, sehr schlank, sehr bleich mit ihrer faszinierenden Stimme, deren Brüchigkeit zuweilen der Festigkeit der Herrscherin die Labilität der empfindsamen Frau verleiht. Aber die tragische Größe dieser Herrscherin wird nicht transparent. Sie bleibt eher mädchenhaft einsam, verfällt zeitweilig in Auflösung, dann wieder in Versteinerung und kann doch die Balance zu Stolz, Würde, Größe nicht halten. Ihr Thronrat ist ziemlich greise und nur der(konsequent auf Machterhalt und Stabilität des Reiches) bedachte Sir Burleigh zieht streng einen roten Faden durch die Politik der beiden Königinnen. Zum dramatischen Geschehen allerdings kommt es erst nach der Pause: als Elisabeth auf Drängen Leicesters (von dessen Doppelspiel als Liebhaber beider Königinnen sie ja nichts ahnt) einwilligt, Maria wie zufällig auf einem Jagdausflug zu treffen; der findet ja dann auf dem Schwebebalken statt, der zunächst wie in Schiff durch die sanften Wellen gleitet. Doch je heftiger Marias Widerstand wird, sich Elisabeth zu unterwerfen, desto heftiger werden die Wogen, desto härter der Wortwechsel - bis sich Maria um Kopf und Kragen gewütet hat. Aus, vorbei. Und dann wird auch noch der Anschlag von Mortimer und Co. auf Elisabeth verübt, der allerdings fehlschlägt. Ihr sehr alter Freund und Weggefährte Wilhelm Davison, der den Lessingschen Humanismus ("Die Art der Gnade kennt von keinem Zwang...") verkörpert, kann zwar den Anschlag vereiteln, ab nun nicht mehr an Elisabeths Güte appellieren. Und jetzt kommt die vielleicht größte Szene des Abends: als Graf von Leicester sich zum wiederholten Male auf die jeweils andere Seite schlägt. Nun, da die Befreiung Marias gescheitert ist, an der er halbherzig mitgewirkt hat, versucht er Elisabeth mit glühenden Worten davon zu überzeugen, dass er sein doppeltes Spiel nur zugunsten Elisabeths gespielt habe. Und Bernd Grawert, eher ein bißchen zu alt und kahlköpfig für die hier sehr jungen Königinnen,kämpft wie ein Löwe um sein Leben! Mit falschen Schwüren und Liebkosungen, mit heftigster Leidenschaft kann er Elisabeth das geben, was sie sich wider besseres Wissen sehnlichst wünscht: eine Garantie für seine Unschuld. Bis ein Brief, den man bei Maria findet, Leicester letztlich doch überführt. Zuvor bestimmt Elisabeth ihn und Burleigh zu Vollstreckern des Todesurteils an Maria. Leicester ist ein starker Intrigant, aber jetzt bricht er beinahe zusammen. Das gehört mit zu den wenigen ergreifenden Spannungsmomenten dieser Aufführung. Später wird Maria wieder wahnsinnig wie ein Kind in ihrer Zelle herumspringen und wirr reden, den Tod vor Augen, dem schottisch-katholischen Pfarrer alles beichten, nur das eine nicht: den Hochverrat. Und dann folgt eine Szene, die sie beinahe verschenkt: Zärtlich Abschied nehmend schmiegt sie sich an Leicester, der als Todesbote im Angesicht von Elisabeth steingeworden dasteht und Maria nicht einmal mehr eine letzte Zärtlichkeit zu geben vermag. Auch für ihn ist das Spiel aus. Schiller wird den Kanzler später, als Elisabeth nach Leicester fragt, den klassischen Satz sagen lassen: „Der Graf lässt sich entschuldigen, er ist zu Schiff nach Frankreich“. Also dorthin, woher die Freier kamen, um England mit Frankreich durch Heirat zu verbinden. Dorthin, wo weiter gegen England der Aufruhr geschürt wird. Maria ist tot und Elisabeth gebrochen. Aber das ist nicht die Geschichte von zwei großen, herrlichen Königinnen in und aus einer Zeit, in der die Mittel zum Machterhalt eben diese waren: Krieg, Intrigen, Mord, Liebe, zuweilen auch die Kunst der Diplomatie. Hier müssen zwei sehr junge Frauen in zwei zu große Rollen steigen, die sie mit den Mitteln einer lässigen, oft gewöhnlichen Sprache und einer undifferenzierten Dramatik zu bewältigen versuchen. A.C.
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