Mucksmäuschenstill von Uraufführung
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Selbstjustiz und ihre Folgen
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Nach dem gleichnamigen Drehbuch von Jan Henrik Stahlberg Regie: Volker König Bühne: Halina Kratochwil mit:
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Was wäre wenn... Nico Rabenald treibt ein bösartiges Spiel mit einem Gedanken, der sicher jeden schon einmal versucht hat: Wie ließen sich so allerlei Missstände, zum Himmel schreiende Ungerechtigkeiten, Pornografie, sexueller Missbrauch, Diebstahl, kurz, alle Gesetzesübertretungen, sowie der Mangel an Gemeinschaftsgeist und damit an gesellschaftlicher Verantwortung - wie ließen sich all diese Schwächen in unserer Schicksalsgemeinschaft revidieren, verändern, ausmerzen - wenn wir die Macht dazu hätten? Herr Mux nimmt sich
einfach diese Macht. Er ist ein Phantast, ein Ideologe, ein
selbsternannter Wächter der verlorenen Tugenden, ein Polizist, ein Psychopath. Wirr
und von gänsehautüberrieselnder Freundlichkeit, gefährlich, doch
gut getarnt durch ehrliches Bemühen des
Gutmenschen, der diese Übel ausrotten will und zwar
mit Stumpf und Stil. Er stellt einen arbeitslosen Außenseiter ein,
der devot und abhängig sein wird. Unfähig
sein Selbstwertgefühl zu finden, geschweige denn, es zu behaupten, ist er der geborene Vasall alljeglicher Machtmenschen. Silvio Hildebrandt ist dieser zuckende, dienernde, rückratslose Gerd, der, endlich irgendwo und bei irgendwem aufgehoben, alles für seinen Chef tun würde. Und dieser Mux hat Gerd ausgewählt, weil er jemanden braucht, der ihm vorbehaltlos zu willen ist. Mux hat
"stimmige" Verfahren entwickelt, wie er unliebsamen
Mitbürgern mores lehrt. Björn, dem "schnellen" und
"rücksichtlosen"Autofahrer, wird einfach das Lenkrad abmontiert.
Gegen eine hohe Geldbuße wird er es, vielleicht, wiedererhalten.
Man geht nicht gerade sanft mit ihm um, als er protestiert.
Und auch Frau Sabetzki, zu einer große Anhängerin der rabiaten
Methoden des Herrn Mux geworden, muss sich zunächst so einiges
an Unfreundlichkeiten gefallen lassen, bevor sie in den perversen Kreis der
Mitarbeiter aufgenommen wird, der auffällige Bürger recht drastisch zu bekehren versteht! Aufatmend können wir nach diesem beklemmenden Spiel konstatieren: Irgendwann in diesem Stück fiel der Kant'sche Satz vom kategorischen Imperativ als mögliche moralische Richtlinie an jeden einzelnen. Und glücklicherweise werden Unzulänglichkeiten und Straftaten in unserer Gesellschaft weiterhin nach demokratischen Gesetzen geahndet, niemals perfekt, aber in bester Absicht. Wir sollten höllisch darauf achten, dass dies so bleibt. A.C.
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