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Ritter, Dene, Voss
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Nur noch als Farce verständlich ( siehe auch Besprechung am BE)
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Deutsches Theater Regie: Oliver Reese; Bühne: Hansjörg Hartung; Kostüme: Elina Schnitzler mit: Konstanze Becker, Almut Zilcher, Ulrich Matthes
Uraufführung mit
Inhaltsangabe Thomas Bernhard hat sein Stück, das den geistigen Untergang dreier Geschwister aus einer österreichischen Familie beschreibt, für diese drei Schauspieler geschrieben und es nach ihnen benannt. Hier wird viel gesprochen, so schön wie selten deklamiert und außergewöhnlich leidenschaftlich gespielt, um aufzudecken, wie sich drei Menschen gegenseitig ihr Leben ruinieren. Der Autor schürt in Gestalt des geisteskranken Ludwig seinen liebgewordenen Hass auf vermögendes Großbürgertum, unfähige Mediziner, einseitige Musikliebhaber, malende Scharlatane und wahnsinnige Philosophen und nimmt Anleihe bei dem russischen Kollegen Anton Tschechow
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Was einst ein Schocker für die konservative und von Bernhard schonungslos gestresste Wiener Gesellschaft war, ist heute nur mehr ein müdes Lächeln wert. Die Geschichte, die der Menschenverächter, Theaterbuhmann und Weltverbesserer für die drei großartigen Schauspieler Ilse Richter, Kirsten Dene und Gert Voss schrieb, balanciert auf tiefen, dunklen und längst vergessenen historischen Pfaden. Kein Mensch mag sich heute noch mit der alten bourgeoisen Aufsteigergesellschaft des vorigen Jahrhunderts herumplagen, in der reiche Fabrikanten schöne Frauen zu ehelichen pflegten, mit ihnen scheinbar wohlgeratene, hoch gebildete Kinder zeugten, deren Entwicklung jedoch in dem konservativen Ambiente bereits in frühen Jahren schockgefroren wurde. Aller Intelligenz zum Trotz, gelang es ihnen nicht ein kleines bisschen, sich aus der Bürgerstubengruft zu befreiten, sondern sie welkten vorzeitig dahin, ohne dass sie Selbständigkeit, Selbstvertrauen oder gar eine irgendwie geartete effektive Aufgabe erlangen konnten, weil ihre armselige Lebensqualität allein auf dem Vermögen der Vaters bestand. In diesem Dramulett können die beiden ältlichen Schwestern (hier sind sie natürlich viel zu jung und attraktiv, als dass sie in der Rolle alter Jungfern glaubwürdig wären!), wann immer sie wollen, da ihnen die Mehrheit des Theaters der Josefstadt gehört, auf der Bühne auftreten; doch weder Begabung noch Freude an irgendwelchem Tun kann sie aus ihrer Zwangsneurose und ihrer Lethargie befreien. Allein ihr hochbegabter Bruder schaffte für kurze Zeit den Absprung, versandete dann jedoch mit einer handfesten Schizophrenie während seiner Studienzeiten in Cambridge und seinen wissenschaftlichen Studien in Norwegen. Ein halb verrücktes Genie also, das sich besser und geborgener in der Anstalt aufgehoben weiß und den Aufenthalt auch dort unbedingt dem im alten Elternhause vorzieht, wo ihn seine Schwestern von Zeit zu Zeit lebendig begraben. Dann ist er ihr hilfloses Opfer, das sie füttern und bemuttern, inzestuös baden und bekleiden - und mögen seine verbalen Proteste noch so giftig, hart und beleidigend sein, für die Frauen ist und bleibt er ihr Lebenszweck. Tapfer lächelnd, mitleiderregend unterbeschäftigt und gelangweilt, sehen sie über seine Bösartigkeiten, mit denen er sich zu wehren versucht, hinweg und ersticken ihn mit ihrer Fürsorge. Für die drei Darsteller(innen) war es vor Zeiten eine Freude, diesen Großbürgermief in das ebenfalls muffige Ambiente des Berliner Ensembles zu transponieren, und deren Intendant Claus Peymann, ohnehin Bernhards Bruder im Geiste, musste einen Höllenspaß daran gehabt haben, nun dem Berliner Publikum all die Vorurteile und Ressentiments des Österreichers um die Ohren deklamieren zu lassen. Doch Berlin ist nicht Wien, und die Zuschauer waren weniger geschockt als vielmehr fasziniert und amüsiert. Wie auch jetzt, im Kammerspielhaus des Deutschen Theaters, wo Oliver Reese dieses Werk noch einmal im weiten dunklen Bühnenraum am weiß gedeckten Familientisch Revue passieren lässt. Mit Constanze Becker, Almut Zilcher und Ulrich Matthes stehen ihm drei spielfreudige, beliebte Schauspieler zur Verfügung, die wohlausgefeilt zu sprechen und zu grimassieren verstehen, und, wie Matthes, herrlich unterschwellig genervt dem Erhaltungswahn des ewig Gestrigen seiner unsensiblen Schwestern verzweifelt Widerstand leistet. Dabei darf oft und gern gelacht werden; denn Reese und seine Leute haben erkannt, dass sich dieses Stück wohl nur noch als Farce servieren läßt. A.
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