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Rosa Schauspiel mit Musik
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Romantikerin und Revolutionärin
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Musik: Thomas Zaufke, Regie: Franziska Steiof, Choreographie: Romy Hochbaum, Bühne: Jan Schröder, Kostüme: Barbara Kremer, Musikalische Einstudierung: Bettina Koch; Dramaturgie: Winfried Tobias mit: Sebastian Achille, Thomas Ahrens, Katja Götz, Michaela Hanser, Daniel Jeroma, Dietrich Lehmann, Robert Neumann, Kathrin Osterode, Regine Seidler, Jörg Westphal, Roland Wolf, Herbert Sowinski, Manfred Grashof-Ridder in verschiedenen Rollen Band: Joe Gehlmann, George Kranz, Robert Neumann, Daniel Zenke
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Das also war Rosa Luxemburg: eine kleine, energiegeladene, hochbegabte Rednerin, Schreiberin, Revolutionärin und Romantikerin: voller schwärmerischen Enthusiasmus', leidenschaftlicher Hingabe an ihre früh gewählte Mission, die Arbeiter aller Länder in einem Generalaufstand gegen Staat und Kapital zu vereinen, um ihr armseliges Los zu verbessern. Wie besessenen schrieb sie Tag und Nacht Leitartikel für sozialistische Zeitungen, formulierte brillant und eindringlich die Ziele der Arbeiterbewegung, jagte von einer Stadt zur anderen, um ihre Pamphlete zu verteilen, Aufstände zu begleiten. Sie agierte im Untergrund, arbeitete auch während ihrer Gefängnisaufenthalte an weiteren Aufrufen und agierte zugleich vehement an allen Fronten in Polen und Deutschland, auf der Internationale, auf Kongressen und vor der Öffentlichkeit; geleitet und geführt von ihrem ersten Liebhaber und lebenslangem Begleiter, dem polnischen Revolutionär Leo Longiche, der sie gnadenlos von einem Auftrag zum anderen hetzte. Und diese Rosa, in dieser rührseligen romantischen Inszenierung von Franziska Steiof, wird von Regine Seidler ungemein sympathisch dargestellt. Eher zart und zerbrechlich, doch leidenschaftlich hingebungsvoll, von einem inneren Feuer durchglüht, dass sich auf ihre Umgebung überträgt. Ihr jugendlicher Eifer und ihr überzeugender Charme ergänzen ihre rhetorische Begabung, die ihr sehr bald schon Autorität und Überzeugungskraft verleiht - sowohl bei den Massen als auch in den Führungskräften der Sozialdemokraten. Was diese Rosa hier nicht ist: vereinnahmend und bestimmend, kontrollsüchtig, unsensibel und mitleidslos - so beschreibt sie zwar die Regisseurin, aber Regine Zeidler kann auch trotz in die Tiefe versenkter Stimme dieser Seite nicht entsprechen! Wie auch Clara Zetkin eine vielmehr zärtliche als hart kämpfende Weggefährtin ist, und die anderen Frauen wie Olympia Lübeck, Luise Kautsky und später auch Sonja Liebknecht einer Küsschen verteilende Schickimicki-Gesellschaft in der heutigen linken Szene ähneln. Auf der in kleine Absätze unterteilten freundlich hellen Bühne spiegelt sich nun in einer klar gegliederten Bildabfolge in 30 Szenen der dichte Lebenslauf der in kommunistischen Kreisen vielfach als politische Ikone verehrten Polin, die durch eine Scheinehe auch die deutsche Staatsangehörigkeit erlangte. Das hier entworfene Persönlichkeitsbild formt sich vor allem aus ihren Briefen und Artikeln, in denen sie sowohl ihre privaten Gefühle und Träume und ihre ungemein vielseitigen Talente offenbart wie auch ihre politisches Ziel, das sie niemals aus den Augen verliert. Die Männer der Sozialdemokratie vermag sie zeitweilig zwar dank ihres mitreißenden Fanatismus (und des real existierenden furchtbaren Massenelends) von der Notwendigkeit einer Weltrevolution zu überzeugen, doch ihre Tragik ist - was in dieser Inszenierung nur ansatzweise zum Ausdruck kommt -, dass die demokratischen Gedanken nach dem ersten Weltkrieg bereits stärker im Wunschdenken der gebeutelten Nation verankert waren als die unbeirrbar an den Aufstand und Sieg der Massen festhaltende Rosa glauben und sehen wollte. So war sie ebenso von der Haltung der Genossen enttäuscht wie über die Entwicklung in Russland. Über die Gräueltaten der Oktoberrevolution werden ihr nur unzulängliche Berichte zugestellt, und sie erfährt nur die halbe Wahrheit über die revolutionären Konsequenzen und der Herrschaft der Bolschewiki. Auch ein schriftlicher Protest an die Adresse Lenins ist ihr verwehrt, mit dem Hinweis, dass man die Genossen jetzt nicht verunsichern dürfe. Ein Stück dichter, komplizierter, tragischer deutscher Vergangenheit und Weltgeschichte, ein Stück radikale, desorganisierte Arbeiterbewegung, ein Stück idealisierter Kommunismus - Wahrheit und Wahn in einer totalen aufopferungsvollem Glauben an theoretische Ideale und Illusionen; Das Konzept der Rosa Luxemburg und ihrer zeitweiligen Weggefährten wird vom Elend der Massen geprägt, aber ist mit der Blindheit politischen Realitätssinns geschlagen. So ist ihr Ende zwar vorabzusehen, doch bleibt ihre schäbige Ermordung durch Männer der Reichswehr, ohne, dass ihr und Karl Liebknecht ein Prozess gemacht worden wäre, ein bitteres Kapitel in der Entwicklung der deutschen Geschichte. Da das Konzept dieser Bearbeitung diese schwierigen kritischen Aspekte nur kurz in den Kommentaren zögernder SPD-Bedenkenträger zum Ausdruck kommen läßt, erscheint mir diese Anstrengung des Gripstheaters wohl hinsichtlich Rosas ungewöhnlicher, ja genialisch-tragischer Persönlichkeit letztlich doch populistisch und politisch unausgewogen. Aber da der Chef des Grips-Hauses, Volker Ludwig, der 2008 den Theaterpreis "Faust" erhielt, "Rosa" schon in langer Liebe, nämlich seit 1968, verbunden ist, ist sein Blickwinkel emotional und politisch fixiert. Das sollte aber die Besucher, ob jung oder älter, nicht davon abhalten, sich mit den geschichtlichen und sozialpolitischen Fakten jener Epoche vertraut zu machen. Nicht um Rosa Luxemburg zu banalisieren - ganz sicher war sie eine von ihrer Aufgabe total überzeugte und bewundernswerte Frau, sondern: um nicht der gefährlichen Anziehungskraft von unreflektiertem Radikalismus und Fanatismus gegen die mühselige Fortschreibung unserer Demokratie zu erliegen - denn das ist der einzige aktuelle Bezugspunkt zu unseren Tagen!
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