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Sonette
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Aus dem Schatzkästlein der Liebeslyrik
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Berliner Ensemble Regie, Bühne, Lichtkonzept: Robert Wilson; Musik: Rufus Wainwright; Kostüme: Jacques Reynaud; Mitarbeit Regie: Ann-Christin Rommen; Mitarbeit Bühne: Serge von Arx; Mitarbeit Kostüme: Yashi Tabassomi; Dramaturgie: Jutta Ferbers; Musikalische Leitung: Hans-Jörn Brandenburg und Stefan Rager
mit: Christina Drechsler, Anke Engelsmann, Ruth Glöss, Anna Graenzer, Ursula Höpfner-Tabori, Traute, Hoess, Inge Keller, Sylvie Rohrer, Dejan Bucín, Jürgen Holtz/Uli Pleßmann, Christopher Nell, Sabin Tambrea, Georgois Tsivanoglou und Georgette Dee mit Giulin von Bern
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Die Spannung, die Robert Wilson in Inszenierungen wie "Leonce und Lena" oder in der "Dreigroschenoper" mit seinen zauberhaften Bildmetaphern und seinen extrem bizarren, teils clownesken Figuren erzeugt, fehlt weitgehend in textärmeren Stücken wie beispielsweise den in Bühnenvisionen umgesetzten Sonetten von William Shakespeare. Dafür sind die exakt konstruierten und einstudierten, mit unfehlbaren Lichteffekten sinnhaft erweiterten einzelnen Szenen ein phantasievolles Abbild der von Marcel Reich Ranitzki als beste Werke Shakespeares gelobten Poeme. Sein Werk enthält insgesamt 126 Strophen wunderbar geflochtener Gedanken, die sich an die mittelalterliche Liebeslyrik der fahrenden Sänger anlehnen, aber weitaus tiefer gehen und nicht nur dem schönen jungen Mann oder der Herzensdame huldigen, sondern deren Inhalte sich gleichermaßen um die unvergänglichen Themen Liebe, Leben, Vergehen, Vergessen ranken. Die Zeit, die verfliegt, die Wünsche, die unerfüllten und unerfüllbaren, die Sehnsüchte, die bleiben, und die Treue, die flüchtig ist wie der Wind. 25 dieser literarischen Kostbarkeiten hat Wilson ausgewählt und mit wundersamen Lichtspielen und choreographischen Schattenspielen selbst in außerordentlich eindrucksvolle Szenen umgesetzt, musikalisch teilweise zart versponnen und dann wieder mit popartigen Variationen von Rufus Wainright bereichert, die von einem kleinen Ensemble live gespielt werden, was der Wirkung der über die Weite der Bühne wandernden Gestalten in ihren obskuren Kostümen und uniformen Perücken und Masken ein abstraktes, skurriles und zeitloses Fluidum verleiht. Es sind starke Momente, die sich in den sorgfältig gesprochenen Texten, abwechselnd in original englischer Version, dann in der deutschen Übersetzung von Christa Schuenke und Martin Flörchinger (Sonett Nr.23) auf die Zuschauer übertragen, die jeder traumversponnenen Phase der Aufführung fasziniert gefolgt sind. Und man darf sich freuen, dass auch diese Wilson-Kostbarkeit, dessen Stil mittlerweile junge und ältere Regisseure als kunstvolle Abgüsse adaptiert haben, sich auf dem neuen Spielplan 2009/10 wiederfindet. Ohne das Programmheft allerdings, wird jeder, der die Texte nicht zu seinem Leserepertoire zählt, ein wenig ratlos sein. Denn Bühnenbild und Bewegungsablauf teilen sich erst mit, wenn man die hervorragend transparenten Skizzen zur Bühnengestaltung und die zweisprachig abgedruckten Texte vor sich hat. Ob zuvor oder als Nachbearbeitung - diese Lyrik ist ein Kleinod im Schatzkästlein der Poesie, und ihre schauspielerische Belebung eine phantasievolle Bereicherung. A.C.
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