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Sonst is alles wie immer von
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Gemütlichkeit im Nest der Nattern |
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Tragikomödie
in dreizehn Einstellungen Die Handlung spielt um 1990, der Epilog zehn Jahre später größtenteils in Erfurt. Regie: Hans-Joachim Frank Bühne udn Kostüme:
Anne-Kathrin Nendel und Justyna Jaszczuk mit: Johannes Achtelik - Ede;
Siegrid Richter - Rosie; Simone Frost - Lene; Angelika Perdelwitz -
Dora;
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Das ist eine krasse Milieustudie wie man sie vergleichbar in diesem Theater bisher nur in irischen Stücken sah, da allerdings noch sehr viel grausamer. Hier zeigt eine verbitterte Kleinbürgerfamilie anläßlich des 9o. Geburtstages ihres hinfälligen Großvaters, wie man einander mit ständiger Bösartigkeit das Leben schwermacht. Es gibt ausgefeilte Typen in diesem Stück: Da ist die kleine, hochfahrende, bittere Lene, die mit ihrer gutmütig-schlicht gestrickten Schwester Rosie einen Kampf ausficht, wer in diesem Jahr das Fest für die senilen alten Herrn ausrichtet; da keiner in dieser Familie die anderen leiden kann und jeder auf jedem herumhackt, ist es schließlich auch einerlei, wo die Familienschlacht stattfindet. Die schnippisch-kokette Schwester Rosie liefert den altbewährten Butterkuchen, und Lene sorgt für Bier, Schnaps und Würstchen. Für eine ausgefallene Einlage sorgt Schwester Lisbeth, aufgetakelt und sensibel wie ein Transvestit, die sich gerade einen 30 Jahre jüngeren polnischen Liebhaber geangelt und diesen ungebeten mitgeschleppt hat: zu jedermanns Missvergnügen; denn man hat ziemlich handfeste Vorurteile gegen Ausländer, was nicht nur Rosies Prolo-Sohn Olaf mit entsprechendem Vokabular recht drastisch klarzumachen versteht. Als Cousine gibt es noch die krebskranke Dora im weißen Nachtgewand, die ihren labilen, permanent heulenden Mann Lello besser zu trösten versteht als er sie. Ausgerechnet der soll auf der trüben Geburtstagsfete mit seinem Akkordeon für Stimmung sorgen: man ist eben nicht ungestraft ein Zigeuner. Ihrer beider minderjähriger Sohn verfuttert seinen Frust und sagt dann und wann ein vernünftiges Wort. Für den Senior, der geisterhaft und scheintot im Rollstuhl sitzt, bis er sich überraschend noch einmal aufrichtet und klar und deutlich nach Bier und Brot verlangt, ist die ganze Sache sicher äußerst widerwärtig; aber seine Hinfälligkeit schützt ihn vor den gemeinen Attacken der Töchter. Während der Pole Jacek sich mit Zigarettenschmuggel befasst und mit peinlichen Anzüglichkeiten auf die Frauen stürzt, zerhacken sich diese weiterhin, dass die Wortfetzen nur so fliegen: Eine reizende Bagage!. Die ganze Feier ist ein einziges pausenloses verbales Kampf- und psychologisches Schlachtfeld und eigentlich für jedermann unerträglich. Doch seltsamerweise mag keiner die gemütliche Runde verlassen. Man weiß nicht eigentlich, warum hier
niemand den Absprung schafft; es ist so wohl nur gemütlich im
Natternnest. Man erkennt auch nicht recht, wo die
Komödie versteckt ist, und was der Autor, der einige Zeit Intendant
des Hans-Otto-Theaters in Potsdam war, uns
eigentlich damit kundtun will. |