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Staatssicherheiten
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...wider die Menschlichkeit
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Regie: Clemens Bechtel; Konzept und Dramaturgie: Lea Rosh und Reante Kreibich-Fischer; Bühne: Christoph Schubiger; Musik: Stephan Krawczyk mit: Vera Lengsfeld/Heidelore rutz, Edda Schönherz, Dieter Drewitz, Gilbert Furian, Stephan Krawczyk, Mathias Meister, Erhard Neubert, Thomas Raufeisen, Hartmut Richter, Mario Röllig, Harry Santos, Dieter von Wichmann, Peter-Michael Wulkau, Hans-Eberhard Zahn
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Die erste Wiederholung der für die Spielzeit 2008 als bemerkenswerte Inszenierung ausgezeichneten "Staatssicherheiten" war gut und richtig auf den 3. Oktober 2009, den offiziellen Gedenktag zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, angesetzt. Und es wird noch weitere Aufführungstermine in diesem Jahr geben, um der Öffentlichkeit nicht nur die Schicksale von Männern und Frauen vor Augen zu führen, die von der DDR-Staatssicherheit als politische Straftäter verurteilt und mit menschenverachtender Süffisanz und psychologischem Terror gefoltert wurden. Es ist auch die immerwährende Bewusstmachung, dass Menschen von sich aus nicht ausnahmslos frei sind von Sadismus, Hass und Gewalttätigkeit sowie von unreflektiertem Gehorsam gegenüber einer politischen Ordnung, mit der sie sich lieber verbünden als sich ihr gegenüberzustellen. Wer dennoch Zivilcourage zeigte, stand bzw. saß auf der anderen, gefährlichen Seite: In Untersuchungshaft, vor dem Schreibtisch der Verhörenden, dann in Isolation- oder Massenhaltung in den berüchtigten Gefängnissen der DDR. Sie kamen alle wieder frei, irgendwann, aber unter welchen Bedingungen und zu welchem Preis! Psychisch für immer beschädigt, isoliert von ihren alten Freunden, mittellos und oft auch bodenlos, denn nicht immer war die BRD, die sie größtenteils freigekauft hatte, zwangsläufig auch eine neue Heimat. Die Betroffenen, die hier in einer sehr gut gestrafften, weitgehend unemotional vorgetragenen Berichterstattung von ihrer Festnahme, ihren Verhören, der Zeit in den Gefängnissen erzählen, werden in knappen, wechselnden Szenen eingebunden in ein zwar lockeres, aber innerlich fest zusammengehaltenes Gefüge. Die Bühne ist karg, zeigt die nötigsten Utensilien der Vernehmungen wie Schreitisch, Stuhl und Kaffeegeschirr, dann die schreckliche Zelle mit den unbarmherzigen Überwachungsriten und den dunklen, vergitterten und mit Stacheldraht bewehrten Innenhof zum Freigang. Hier mussten sie kostbare Jahre ihres Lebens verlieren, weil sie versuchten: zu fliehen, Freunde über die Grenze zu schmuggeln, in öffentlichen Schriften und Veranstaltungen auf den Unrechtsstaat aufmerksam zu machen. Es genügten, wie man weiß, die kleinsten Anlässe, um die Dissidenten, die keinerlei Chance hatten, sich zu wehren oder rechtzeitig über die Grenze zu kommen, in Haft zu nehmen, früh morgens oder noch in der Nacht aus dem Bett zu holen, in Zellen zu stopfen, Familien zu zerreißen, die Inhaftierten im Ungewissen über ihre Zukunft zu belassen, sie irgendwohin zu transportieren, wo sie in trostlosen Zellen auf ihre Vernehmung und auf das Urteil warteten. Hoheneck oder Hohenschönhausen und weitere Staatskerker warteten auf immer neue Gefangene. Dabei fielen die Strafen jeweils ebenso willkürlich aus, wie alles in diesen Scheinprozessen, deren Urteile von vornherein feststanden. In Zeiten des kalten Krieges gab es harte "Zuchthausstrafen", später, als die Bundesrepublik bereits horrende Summen an die DDR zahlte, waren die Maßstäbe anders gesetzt, wohlmöglich, um schnell an viel Geld heranzukommen. Wir kennen die Schicksale aus Filmen, aus Büchern, aus bewegenden und wohl niemals versiegenden qualvollen Erinnerungen der Betroffenen. Diese Inszenierung ist rundum beeindruckend und zum Ende auch sehr ergreifend - als nämlich deutlich wird, wie sehr und wie stark alle noch immer unter den Folgeschäden ihrer Inhaftierung leiden, mit welchen Albträumen sie noch immer kämpfen müssen und wie ihnen zumute ist, wenn sie ihren Peinigern von einst jetzt auf den Rolltreppen eines Kaufhauses begegnen, und diese sich frei von jeder Schuld fühlen... Doch auch das wird an diesem Abend überraschend transparent: wie unterschiedlich ein jeder der Darsteller mit seiner Haft, seinem späteren Leben und den Erinnerungen umgegangen ist und in welcher Weise er sie verarbeitet. Der Rebell wird stets damit befasst sein, die Schuldigen zu entlarven; der Philosoph versucht das Verständnis auf beiden Seiten; der Intellektuelle analysiert menschliches und politisches Folgeverhalten; der Betrogene findet keinen Weg aus den Erschütterungen und wird weiter unter den Verletzungen leiden, die Kämpferin hat das Schicksal aller Gefährten längst publik gemacht, und, Vera Lengsfeld, um die bekannteste Bürgerrechtlerin zu nennen, hat jetzt ihre Aufgabe als Bundestagsabgeordnete gefunden. Alle aber haben den Mut und den Weg gefunden, ihr persönliches Schicksal vor uns offen zulegen und sich damit letztlich doch ein Stück weit von der schweren Last zu befreien. A.C.
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