Und morgen steh ich auf

von
Gesine Danckwart

 Uraufführung

 

Kein Job, kein Geld, kein Glück:

 Generation Praktikum: Eine verlorene Jugend?

    In der Reihe:  Arbeit für alle

Und die Hoffnung stirbt zuletzt

Maxim Gorki Studio

Eine Stimme: Ruth Reinecke

Minze: Mariel Jana Supka als verwirrte Sekretärin; Niemann: Ole Lagerpusch als arbeitslos Hoffender; Dröge: Stephan Lohse, ein junger Praktikant mit Illusionen; Reve: Normann Schenk, ursprünglich harter Typ, dann weichgekocht

 

Regie: Gesine Danckwart; Drmaturgie: Remsi Al Khalisi, Bühne (kahl): Halina Kratochwil, Kostüme: Hanne Günther

  

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Das Studiotheater des Maxim Gorki hat unter der Leitung von Armin Petras unter dem Thema Arbeitslosigkeit und Jobsuche (nicht Berufsfindung!) eine Reihe von Versuchsinszenierungen gestartet, die leider nur selten überzeugen (Ausnahme: Katzgraben - Umschulung leicht gemacht), weil sie zum größten Teil recht langatmig in reiner Erzähltechnik mit engagierten jungen Schauspielern daherkommen. Es ist bei dem Grundthema  - bis auf Strittmatter - nur selten Humor angesagt; vorwiegend stehen Gesellschafts- und Kapitalismuskritik im Mittelpunkt, denn Trauer muss diese Generation tragen, weil sie entweder gar keinen Job bekommt oder sich auf der Karriereleiter verausgabt oder irgendwo im Nirgendwo ein unbeachtetes Dasein fristet. Da könnten einem die Tränen kommen: Nicht, weil alles so dramatisch oder melodramatisch konzipiert ist, im Gegenteil, da passiert eigentlich nichts auf der Bühne, außer dass ein paar fleißige Schauspieler jede Menge diffusen Text auswendig gelernt haben und diesen mit guter Miene zum bösen Spiel aufsagen; es gibt kein dramaturgisches Konzept im Sinne einer fortlaufenden, sich steigernden Handlung, eher bleibt alles im lockeren, beliebigen Infostile - seht einmal her, wie schlecht es uns geht, wie man mit uns umgeht, wie wir uns abrackern müssen, um einen Platz in dieser Welt zu belegen!

Und die Wirklichkeit, kommt sie damit zurecht? Artikel in den einschlägig jammernden Tageszeitungen geben der Bühne Recht: es ist alles ebenso trostlos wie aussichtslos. Man hangelt sich von einem - unbezahlten -Praktikum zum nächsten, um dann doch keine Anstellung in dem anvisierten Unternehmen zu finden. Mittlerweile häuft sich die Praktikumsseite im Lebenslauf samt Fremdsprachen und diversen Eignungstests bis ins Unendliche, und keiner mag das so recht mehr wissen. Die Sekretärin hat ohnehin mit sich selbst zu tun, der Personalberater hat keine freie Stelle zur Hand und muss den  oft auch überqualifizierten Bewerber vertrösten, und der Chef müht sich unentwegt, seine Termine und die eignen  Bedürfnisse zu koordinieren, was natürlich gesundheitliche Konsequenzen hat.

Eine ausweglose Situation und Generation? Wenn man den Medien und dem Theater allein Glauben schenkt - ja. Die Wirklichkeit sieht aber auch anders aus, je nachdem, ob man die Ausnahmen zur Regel macht oder das halb gefüllte Glas als halbleer oder halbvoll bezeichnet. Dennoch: Die Jagd für Akademiker nach dem Praktikum lohnt sich nicht mehr - denn eine Anstellung hernach ist keineswegs inclusive! Lösungen werden nicht angeboten - vielleicht auch nicht wirklich gesucht? Allerdings hilft bei uns ja bekanntlich eines: statt Umorientierung besser Streik! Jetzt wollen die Studenten in Berlin protestieren zum ersten "Europäischen Praktikanten-Aktionstag". Das aber ist reales Theater! A.C.