4 1/2 Männer und ich
 
von
Arna Aley

 

 

Ein schmales Stück, einfallsreich in Szene gesetzt

 


Uraufführung

Berliner Ensemble-Studiobühne

Regie: Philip Tiedemann

Bühne und Kostüme: Etienne Pluss
Musik: Henrik Kairies

 

Mit: Krista Birkner, Melanie Schmidli, Ursula Höpfner-Tabori, Lexander Ebeert, Thomas Niehaus, Konrad Singer, Georgios Tsivanoglou

 

 

 

 

 
Wäre nicht das überraschend märchenhafte Bühnendekor, der Text allein gäbe wenig Anlass zur Aufmerksamkeit; aber die Inszenierung, so muß man dem Regisseur Philip Tiedemann bescheinigen, ist außerordentlich einfallsreich und steckt voller Überraschungen: ein hexenhausgroßes Gesicht, das ein geheimnisvoller grüner Laserbogen umrundet, steht in der Bühnenmitte. Aus den noch geschlossenen Öffnungen dringt Licht, was neugierig macht; langsam öffnen sich nach und nach die Klappen von Mund und Kinn, Auge und Ohr und Skalp und geben die aparten Behausungen skurriler Außenseiter preis - hier wohnen die verschiedenen Liebhaber von Toteau, die sich als Erzählerin in den Vordergrund stellt, dann und wann auf der heruntergeklappten Nase herumtanzt und sich rückblendend in die verkorksten Beziehungen zu vier Männern und einer lesbischen Frau sowie einem zwölfjährigen frühreifen Jungen begibt - das ist der halbe Mann, der die stets unglücklich verliebte junge Frau recht handfest zu trösten beabsichtigt.

Da ist der erste Jugendfreund, ein so genannter Intellektueller, der dem Mädchen Toteau schon frühzeitig warnend  darauf vorbereitet, woran sie in ihrem Leben scheitern wird: als ein nicht erwachsenen gewordenes Rotkäppchen, das bei der Groß/Mutter unter die schützende Decke schlüpfen möchte, aber leider zuvor immer wieder einem bösen Wolf verfällt, der ja bekanntlich dann auch noch die Groß-mutter verspeist!. Nacheinander heißen sie Samuel, der erste, Joe, der tätowierte Schwule, Ray, der selbstverliebte Fotograf und Bo, der dümmliche Autodieb. Allesamt Opfer oder Täter, vielleicht beides, jedenfalls fällt die junge Toteau auf alle Exemplare herein, rächt sich dann und wann recht bösartig, aber am Ende steht sie dann doch wieder allein da. Ein Liebesreigen, der trostlos und ohne Glanz vor sich hinwabert, obwohl sich die Darsteller vor allem mit körperlich-akrobatischem Einsatz alle Mühe geben, das leere Gesicht mit Inhalt zu füllen.

Das Ganze ist leider weder sprachlich noch dramatisch irgendwie faszinierend, es könnte ebensogut vorgelesen werden und wäre dann noch langweiliger. Vielleicht sind die anderen kleinen Schreibübungen  der litauischen Autorin, die zur Zeit am BE arbeitet, inhaltsreicher; sie wurde im vergangenen Jahr zum Berliner Theatertreffen eingeladen und bereits zuvor auf mehreren Wettbewerben, wie z.B. den St. Galler Autorentagen, ausgezeichnet. Es bleibt ein Geheimnis oder doch nicht; wahrscheinlich ist der Nachwuchs an jungen Dramatikern derart dünn gesät, dass man sich gern auf eine Vertreterin aus den baltischen Ländern einigte. A.C.