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Wolken ziehen vorüber von Aki Kaurismäki
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Irgendwie geht es immer weiter |
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Uraufführung (Wiederaufnahme)
Regie: Stephan Kimmig; Bühne: Claudia Rohner; Kostüme: Heide Kastler Musik: Michael Verhovec Helsinki Playback Orchestra Mit: u.a. Aylin Esener, Katharina Schmalenberg, Christine Schorn, Michael Gerber, Ingo Hülsmann, Stefan Kaminski, Horst Lebinsky, Michael Prelle. |
Finnland, jahrzehntelang ein halbsozialistisches Land, nach der Wende zur marktwirtschaftlichen EU: zunächst noch mehr Arbeitslosigkeit, aber weiterhin hohe Preise, Angst vor dem Neuen, Festhalten an Gewohnheiten. Der finnische Autor Kaurismäki lässt tiefdunkle Wolken vorüberziehen, aber irgendwann haben sie sich aufgelöst, sind vom Wind, vom Schicksal verweht und lassen warme Strahlen der Hoffnung durchblinzeln. Die finnische Mentalität ist eine andere als die deutsche. Das sollte man wissen, wenn man diese sehr langatmige Inszenierung, die den sich wiederholenden, stereotypen Alltagsablauf des Durchschnittsmenschen als Stilmittel einsetzt, besucht; Denn zunächst geschieht rein gar nichts, die Gäste im Lokal kommen und gehen, das Personal sagt die immer gleichen Sätze, bedient mit immer gleichen Gesten; und daheim wiederholen sich die häuslichen und ehelichen Zeremonien. Wenn der Koch mal wieder verrückt spielt, wird das, wie stets, gleichmütig registriert. Dieser Autor macht nicht viele Worte. Man könnte die insgesamt im Stück gesprochenen Sätze ohne Probleme zählen. Unaufhörlich allerdings ertönt aus dem Lautsprecher harmonische Volks-Tanzmusik, einem Vergnügen, dem man sich in Finnland gern und zahlreich am Sonntag hingibt. Man trinkt, wenn man Geld hat, Bier, und findet den notwendigen Kontakt auf dem Tanzplatz. Ein Restaurantbesuch dagegen war schon immer ungemein kostspielig und daher fast unmöglich. Daher nimmt es nicht wunder, dass das "Dubrownik" schließen und seine Mitarbeiter entlassen muss. Unter ihnen ist Ilona, eine junge Frau, der Katharina Schmalenbach abwechselnd strenge Distanz und dann wieder lausbübischen Charme verleiht. Und ihr Mann Lauri, der ebenfalls seine Arbeit als Straßenbahnfahrer verliert, und, wegen seiner Schwerhörigkeit, nun keine neue Stelle mehr findet. Ingo Hülsmann gibt den wortkargen, beherrschten Ehemann, der seine Gefühle allerdings in schnell und fest entschlossenem Handeln auszudrücken weiß, als sich Ilona`s neuer Chef als Betrüger und Schläger entpuppt. Die Welt ist noch immer dunkel, und neue Wolken ziehen sich drohend zusammen, nachdem dem Paar auch noch der Verlust seiner kleinen Wohnung droht. Das Thema der Arbeitslosigkeit und seine Folgen wurde zunächst als Film (1996) gezeigt und jetzt von Stefan Kimmig als Theaterstück bearbeitet, das sich nach und nach in der Ruhe seines Ablaufs - so wie Wolken eben am Himmel gemächlich dahinziehen - als tiefgehendes, menschliches, europäisch weites Drama entwickelt. Die Menschen werden arbeitslos, stehen auf der Straße, wissen nicht mehr weiter - und dann doch wieder ein Hoffnungsschimmer, eine Vision, ein Traum, der zur Wirklichkeit werden kann. Und dieses Optimismus' wegen ist es ein finnisches Stück, denn die Ruhe und Gelassenheit, mit der die Menschen hier ihr Schicksal annehmen und der immer neue Mut, der ihnen ihr Gleichgewicht wiedergibt, lassen sie nicht lange lamentieren. Sie helfen einander, weil sie wissen, dass sie auf einander angewiesen sind. Ein kleines Stückchen Mitmenschlichkeit. Die einen nennen sie solidarisch, die anderen christlich. A.C. |