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Zornig geboren
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Der Zorn muss bleiben!
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Regie: Armin Petras; Bühne: Ulrike Siegrist; Kostüme: Valerie von Stillfried; Video Niklas Ritter; Drmaturgie: Andrea Koschwitz mit: Britta Hammelstein, Jürgen Lingmann, Christin KÖnig, Anja Schneider, Carlo Ljubek/Roland Kukulies
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Die Schweizerin Darja Stocker, Jahrgang 1983, hat vor allem die französische Menschenrechtlerin Olympe de Gouges bei ihren Stücken im Sinn. Um die historische Revolutionärin ranken sich neue Heldinnen des Widerstands, Kämpferinnen für Menschenrechte, vor allem für die Gleichheit von Mann und Frau, farbiger und weißer Hautfarbe. Aber noch bilden die Gedanken der jungen Autorin - wie hier in dem kleinen Kammerspiel "Zornig geboren", das Armin Petras in gewohnter Weise zerstückelt und häppchenweise portioniert serviert, noch keine einheitliche Struktur, sind eher unfertige Bilder, die sich vielleicht einmal, wenn man den jungen Autoren mehr Zeit zur Reife ließe, formieren könnten und zu einem wirklich durchkomponierten tragenden Drama werden könnten. Noch könnte man dieses Fragment schnell wieder vergessen, wenn das Gorki nicht so engagierte Darsteller/innen hätte, die dem ziemlich matschigen Schlammassel aus Farbe, Wasser, Lehm und Erde dann doch noch ab und zu Spannung verleihen. Da ist Christin König als alte Dame Olivia, die in der französischen Résistance kämpfte, von den deutschen Besatzer inhaftiert wurde und nur frei kam, in dem sie sich als Prostituierte anbot. Das allerdings würgt und kämpft nach wie vor in ihr, und bis ihr Sohn ihr diese schamvolle Vergangenheit entreißen und sie damit von ihren inneren Zwängen befreien kann, vergehen einige seltsame Anfälle und Ausfälle, mit denen die reizende "Oma" Sohn und Enkelin Sophie gleichermaßen verwirrt. Britta Hammelstein als Sophie überzeugt vor allem in den Szenen als die junge Frau mit ansehen muss, wie ihr ökologisches Projekt in Afrika zerstört wird und die Freunde, die mit ihr daran arbeiteten, die Böden fruchtbar und gewinnbringend zu nähren, in den Tod getrieben werden. Zorn und Verzweiflung bahnen sich einen erschütternden Weg. Das ist der berechtigte und notwendige Zorn jeder Jugend, die allein die müde gewordene Welt wieder aufpeitschen kann, die erlahmte Wachsamkeit aller, die Einfluss auf die Verhältnisse und die Entwicklungen in Ländern übertragen können, in denen die Würde der Menschen noch immer missachtet wird. Hoffnung also hinter dieser scheinbaren Ohnmacht, die sich in ein Feuer verwandeln und sich einen Weg des Widerstands durch alle Medien bahnen könnte. Für Jürgen Lingmann als Sohn Olivias und gescheiterten Aktivisten, bleibt nicht viel an Rollenausformung, so dass er als abwechselnd als aufmerksamer Zuhörer, als verkleideter franzosischer Revolutionär und vor allem als vermisster Liebhaber (von Olivia) und selten greifbarer Vater (von Sophie) erscheint. Für die somnambule Anja Schneider hat die Rolle der Madam de Gouge zwar nettes Kostüm parat, aber leider viel zu wenig historisch-authentischen Text, außer dass sie sich gegen die Ausbeutung der schwarzen Bevölkerung in Frankreichs Kolonien Flugblätter verteilt, was sie schließlich den Kopf kostet. Als "Frau und Bürgerin" ist sie heute nur noch wenigen im Gedächtnis. Gut, dass Darja Stocker sie aus der Versenkung hebt. Im Wechsel spielt Anja Schneider auch noch eine emigrierte Russin, die zwangsweise nach Frankreich verheiratet wurde und am Ende, sich ihrer Würde und Pflicht als "Frau und Bürgerin" nun bewusst geworden, vielleicht als Revolutionärin in ihre Heimat zurückkehrt. Dann gibt es noch die Rolle des Kulissenschiebers und Malers, von Kukulies gespielt (als ich die Aufführung sah), doch die bleibt von Hause her ziemlich farblos, da die Regie keine hoffnungsvolle Begegnung zwischen den Menschen in der Zielsetzung zulässt. Alle und alles bleiben auf Abstand während an den Wänden flimmern Bilder von Aufständen und ein mit Flottenschiffen bestücktes Meer auf der langen Hintergrundwand als scheinbar harmlose Hintergrunddekoration ruht A.C.
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